„Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, so hieß viele Jahre der Slogan, den das Land Baden-Württemberg zur Selbstvermarktung nutzte. Auch der neue Slogan „The Länd“ spielt als Wortschöpfung mit regionalen Wurzeln und internationalem Klang noch dezent auf die Dialekte im Südwesten an.
Doch wie steht es tatsächlich um das Schwäbische und andere Mundarten im Südwesten? Eine Studie der Universität Tübingen hat schon 2022 herausgefunden: Nur elf bis 15 Prozent der Kinder in Baden-Württemberg sprechen noch echten Dialekt. Ländliche Regionen mit großer Identitätsmöglichkeit und großer Entfernung zur Großstadt wie der ostschwäbische Raum sind Rückzugsgebiete der Dialekte, so eine Erkenntnis der Studie. Eine wichtige Maßnahme gegen Dialektverlust sei auch, dass „sprachliche Variationen als etwas Normales verstanden werden“.
Was zeichnet das Schwäbische aus? Unter anderem die Nasalvokale, sagt Julia Braun, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Sprache in Südwestdeutschland am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen. Schon in Dialektbewertungen im „Simplicianischen Teutsch-Michel“ von Grimmelshausen aus dem Jahr 1673 werde die nasale Aussprache der Schwaben erwähnt: „Die Schwaben, möchte Einen bedunken, brauchen die Nase auch zu ihrer Aussprache.“ Nasalvokale seien auch heute immer noch typisch Schwäbisch, sagt Braun. Im Schwäbischen gibt es laut dem Kulturwissenschaftler Wolf-Henning Petershagen sieben verschiedene schwäbische Nasalvokale. Im Französischen dagegen nur vier.
Das Schwäbische hab sich aus dem Mittelhochdeutschen entwickelt, der mittelhochdeutsche „ei“-Laut wird im Westschwäbischen zu „oi“ und im Westschwäbischen zu „oa“. So werde aus „breit“ etwa „broit“ beziehungsweise „broat“, erklärt Julia Braun. Außerdem besitze das Schwäbische eigenständige grammatikalische Formen: Ein „Schäfle“ ist etwa ein Schäfchen in der Einzahl. Mehrere Schäfchen sind die „Schäfla“. „Es stimmt also nicht, dass Dialekte primitiv sind, wie manchmal angenommen wird. Es gibt nur andere Regeln.“ Und viele verschiedene Ausprägungen, wie der „Sprachatlas Baden-Württemberg“ zeigt. Dass in den 1970er Jahren der Dialekt von Lehrern oft als Hinderungsgrund für Erfolg in Schule und Beruf gesehen wurde, sei fatal gewesen, sagt Braun.
Seit einiger Zeit tut sich was im Ländle, um das Schwäbische und andere Dialekte am Leben zu halten: Seit vergangenem Jahr setzt sich das Land in einer „Dialektstrategie“ dafür ein, dass Dialekte bewahrt und gefördert werden. 2024 wurde ein Landespreis für Dialekt ins Leben gerufen, der jährlich vergeben wird und mit insgesamt 60.000 Euro dotiert ist. Kürzlich ernannte die Landesregierung die Zeichentrickfiguren „Äffle und Pferdle“ zu Dialektbotschaftern. Für Ende Juni ist eine grenzüberschreitende Mundart-Messe in Oberkirch (Ortenaukreis) in Verbindung mit den Heimattagen geplant.
Im Webportal „Dialekt und Du“, das ab Mai offiziell veröffentlicht wird, erhalten Lehrkräfte Hintergrundwissen und Materialien zum Thema Dialekte und durch das Projekt „Mundart in der Schule“ des „Dachverbands der Dialekte Baden-Württemberg“ kommen Mundartkünstler in Schulen und zeigen auf unterschiedliche Weise, wie bereichernd Dialekt sein kann. Selbst im Orientierungsplan für Kindergärten haben die Dialekte ihren Platz gefunden.
Und: Auch in den Sozialen Netzwerken scheint schwäbisch beliebt zu sein. Berühmt ist etwa die als „utze“ bekannte Angelina Utzeri, die schwäbische Comedy-Videos teilt. Ihr folgen 160.000 Menschen, und sie liegt laut Braun mit ihrem Dialekt zwischen Ost- und Westschwäbisch. Eine der ersten schwäbischen Influencer war die Schauspielerin Bärbel Stolz. Sie wurde 2015 über ihren YouTube-Kanal „Die Prenzlschwäbin“ bekannt, auf dem sie das Klischee des Schwaben in Berlin parodiert. Oder auch Diana, beziehungsweise „Daily Dayena“, die als „schwäbische Asiatin“ etwa zeigt, wie man schwäbischen Kartoffelsalat oder „Ofenschlupfer am beschde mit alde Weckle“ macht.
Es gibt also Hoffnung fürs Schwäbische. Und wer wissen will, wie es um das eigene Schwäbisch bestellt ist, kann einen Schwäbisch-Test auf der Internet-Seite „schwaebisch-schwaetza.de“ von Peter-Michael Mangold aus Fischerbach machen, Ausspracheregeln lernen oder dort den schwäbischen „Schimpfomat“ abspielen. (0201/27.01.2026)