Artikel teilen:

Wie kirchliche Ferienangebote Kinder und Familien stärken

In Berlin und Brandenburg starten am 2. Februar die Winterferien. Kirchliche Ferienangebote eröffnen Kindern Räume für Gemeinschaft, Erholung und Selbstvertrauen. Ein Kommentar.

Kinder bauen in der Lego-Stadt in der Evangelischen Kirchengemeinde Malmsheim in Renningen
Kinder bauen in der Lego-Stadt in der Evangelischen Kirchengemeinde Malmsheim in RenningenEv. Kirchengemeinde Malmsheim

Es ist ein fröhliches Gewusel, als ich den Gemeindesaal der Apfelsinenkirche mitten in der Berliner Gropiusstadt betrete. Am Tag davor haben die fünfzehn Grundschulkinder mit unterschiedlichen Techniken Stoffe in dem Familienzentrum eingefärbt. Heute werden daraus Westen, Kimonos und Schürzen genäht. Fast alle nähen das erste Mal an einer Nähmaschine. Ich staune, wie gut es funktioniert, obwohl es für die ganze Gruppe nur zwei Maschinen gibt.

Vier coole Jungs stehen um eine der Maschinen herum, ein fünfter sitzt daran. 37 Prozent der jungen Menschen in der Gropiusstadt leben in Armut, ein Skiurlaub über die Winterferien ist hier nicht drin. Umso wichtiger, dass es bezahlbare oder kostenlose Angebote in der Nachbarschaft gibt, in denen auch von Armut betroffene Kinder ihre Ferien genießen können und sich angenommen fühlen. „Dass sie sich immer gleich wieder anmelden“, ist für Jost Fleige, Mitarbeiter aus dem Evangelischen Familienzentrum Apfelsinenkirche und langjähriger Organisator der Kinderferienwochen, die schönste Rückmeldung.

Kirchliche Ferienangebote: Mut und Zuversicht geben

Beim Fadeneinfädeln braucht es noch etwas Hilfe – das ist aber auch wirklich kompliziert mit all den Haken und Ösen – dann rattert die Maschine. Die Naht wird vielleicht nicht ganz gerade, aber sie hält. Die Zuschauer begutachten die Arbeit ihres Freundes. „Was wird das?“, „Wo gibt es dieses pinke Band?“, „So was will ich auch!“, „Kann ich jetzt?“, „Nein, ich!“

„Du machst das gut“, sage ich anerkennend zu dem Kind an der Nähmaschine. Ein Satz, den das Kind nicht allzu oft hört. In der Schule gilt es als „schwierig“. Aber hier in der Apfelsinenkirche ist es willkommen, so wie es ist.

Kirche organisiert Auszeit für Alleinerziehende

Auch in der Niederlausitz ist ein Ferienangebot heiß begehrt – 90 Anfragen auf 40 Plätze. Angela Wiesner, Kreisbeauftragte für die Arbeit mit Kindern und Familien in der Niederlausitz, hat sich gefragt, wann Alleinerziehende eigentlich mal Zeit für Erholung haben. Der Alltag der Mütter zwischen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt sei oft so durchgetaktet, dass kaum Zeit für sie selbst bleibe.

Aus dieser Beobachtung entstand 2018 die erste Winterfreizeit für alleinerziehende Mütter. Mittlerweile ist die von der Stiftung „Kirche im Dorf“ geförderte Fahrt zu einer geliebten Tradition geworden. Es ist ein wie nach Hause kommen, sagt eine Teilnehmerin. Gemeinsam fahren die alleinerziehenden Mütter mit den Kindern ins Zittauer Gebirge. Es gibt regelmäßige Andachten, Ausflüge zum Schlittschuhlaufen oder ins Schmetterlingshaus. Aber einfach auch viel Zeit, in der die Kinder gut betreut werden und die Mütter selbst entscheiden können, was ihnen gerade guttun könnte: ein Kreativangebot, ein Gespräch oder einfach nur in Ruhe einen guten Kaffee trinken. Angela Wiesner wird ihnen mit einem offenen Ohr zur Seite stehen und sie begleiten.

Jugendliche machen eine Schulung als Teamer

Was gehört eigentlich dazu, wenn man eine Gruppe begleitet? Dieser Frage werden Jugendliche aus dem Kirchenkreis Oderland-Spree auf die Spur gehen. 2024 waren sie selbst noch als Konfis auf dem Konficamp des Kirchenkreises unterwegs, im Sommer dieses Jahres möchten sie wieder dabei sein – jetzt als Teamer_innen. Konfi- und Jugendarbeit greifen hier ineinander. Mit der Konfirmation ist die Zeit in der Kirche nicht vorbei, es geht erst richtig los.

Um sich für die neue Rolle auf dem Camp vorzubereiten und zu qualifizieren, nehmen sie in den Winterferien an der Jugendleiter-Schulung JuLeiCa, geleitet von Kreisjugendpfarrer Thomas Schüßler, in der Bildungsstätte Hirschluch teil. Dort werden die Jugendlichen etwas über Gruppendynamiken, Prävention und Konflikte lernen. In Hirschluch können sie gleich in der Praxis erproben, Andachten zu halten oder auch die Tagesleitung zu übernehmen. Ganz konkrete Verantwortung zu tragen ist für Jugendliche von heute, die große Themen wie Klimawandel, Kriege und Armut bewegen, eine wichtige Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

Zurück in die Apfelsinenkirche: Ich schleiche mich morgens vor Programmbeginn in den Gemeindesaal. An der einen Seite meiner selbstgenähten Weste muss ich die Paspel nochmal befestigen. Ich setze mich an die Nähmaschine, ruckzuck fädle ich den Faden in die Haken und Ösen der Maschine. Plötzlich steht ein Kind, der Coolste von den „coolen Jungs“, neben mir. „Das machst du gut“, sagt er.

Lena Müller ist Landespfarrerin für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.