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Wie Grundschüler im Netz verlässliche Antworten finden können

Kinder stoßen online schnell auf fragwürdige Inhalte. Vertrauenswürdige Formate wie “TOGGO” oder “Checker Tobi” zeigen, wie kindgerechte Wissensvermittlung gelingt – und warum Eltern dabei unverzichtbare Begleiter sind.

Wenn Anika Schäfer, Grundschullehrerin in München, ihrer Klasse ein Erklärvideo ankündigt, ist die Reaktion stets die gleiche: Jubel und Begeisterung. “Die Aufmerksamkeit ist deutlich größer, als wenn ich denselben Inhalt nur mündlich vermittle”, sagt Schäfer, die zudem als medienpädagogische Beraterin für digitale Bildung arbeitet. Für sie steht fest: Erklärvideos und Wissensmagazine bereichern den Unterricht und liefern Antworten auf Fragen, die Kinder besonders beschäftigen. Gleichzeitig mahnt sie zur Vorsicht: “Das Bewusstsein dafür, dass nicht alles, was in den Medien gezeigt wird, auch der Wahrheit entspricht, muss bei Kindern erst Schritt für Schritt aufgebaut werden.”

Ob zu Hause oder in der Schule – Grundschüler suchen die Antworten auf viele ihrer Fragen online. Besonders beliebt sind Filme, Videos und andere bewegte Bilder. Laut einer aktuellen Befragung des Elternratgebers FLIMMO ist YouTube die meistgenutzte Plattform unter Sechs- bis Elfjährigen. Doch fragen sich die jungen Nutzer eigentlich, ob das, was sie dort sehen, stimmt? Bei Kindernachrichten und Wissenssendungen – so ein weiteres Ergebnis der Studie – legen viele durchaus Wert auf Glaubwürdigkeit und verlassen sich stark auf das jeweilige Format.

Sobald es jedoch um Hobbys, Gaming oder Unterhaltung geht, verliert die Frage nach dem Wahrheitsgehalt für viele an Bedeutung, und vermeintliche “Fakten” werden oft unkritisch übernommen. Im Vordergrund stehen hier der Erlebniswert und der Wunsch, beim Gespräch auf dem Pausenhof mitreden zu können. Besonders glaubwürdig wirken Inhalte laut Befragung immer dann, wenn sie mit scheinbaren “Belegen” wie Fotos oder Filmaufnahmen versehen sind oder von einer vertrauten Person – etwa einem bekannten Influencer – stammen.

“Kinder im Grundschulalter sind noch zu jung, um zu erkennen, dass man auch sympathischen Personen nicht alles glauben darf”, betonte Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender des Vereins Programmberatung für Eltern, unlängst bei einer Diskussion im Münchner Pressclub. Um verlässliche Quellen von Angeboten zu unterscheiden, die mit reißerischer Aufmachung vor allem auf Klicks und Likes aus sind, brauche es die Unterstützung der Eltern. Sie müssten mit ihren Kindern über Fake-News und die Glaubwürdigkeit von Inhalten sprechen. “Viele Eltern haben jedoch wenig Zeit und fühlen sich überfordert”, so Schmiege.

Deshalb setzt er auf die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus – wie bei der bayerischen Initiative “Medienführerschein”. Das Angebot stellt Lehrkräften praktische Materialien für die Medienerziehung bereit – fächerübergreifend und alltagsnah. Auch die Eltern werden einbezogen: Bei kostenlosen Infoabenden erfahren sie mehr über Themen wie Künstliche Intelligenz oder Fake-News. “Wir wollen ihnen außerdem bewusst machen, dass man Kindern nicht einfach ein Handy in die Hand drücken sollte. Sie können jederzeit auf fragwürdige Inhalte stoßen”, sagt Schmiege

Besonders hohen Vertrauensvorschuss genießen Formate wie die Kindernachrichten “Logo!”, das Programm “TOGGO” oder die Wissenssendung “Checker Tobi”. Letztere setzt bewusst auf eine Hauptfigur, der Kinder intuitiv vertrauen – “wie einem netten älteren Cousin”, erklärt Judith Issig, Redaktionsleiterin bei Megaherz, der Produktionsfirma des Formats. In jeder Folge taucht Tobi in ein neues Thema ein: Er besucht zum Beispiel die Feuerwehr, probiert Schutzkleidung an und lernt, wie Brände gelöscht werden. Oder er schaut in Sortieranlagen, begleitet Müllwerker und zeigt, was mit unserem Abfall geschieht. Diese unmittelbaren Begegnungen, verbunden mit Experimenten und einer Mischung aus Nähe und Abenteuer, sollen Wissen anschaulich und nachvollziehbar vermitteln. “Dabei dürfen die Leute um Checker Tobi auch mal scheitern oder eine Dummheit machen”, sagt die Producerin.

Der journalistische Aufwand ist laut Issig “immens”. Für jede Folge recherchiert das Team umfassend, spricht mit Fachleuten und gleicht Aussagen sorgfältig ab. Ein ähnliches Vorgehen empfiehlt sie Eltern: Die Fragen der Kinder ernst nehmen, verschiedene Quellen nutzen – Internet, Bücher oder Museen – und gern auch selbst Expertinnen und Experten ansprechen. “Man stößt dabei meist auf offene Türen”, sagt Judith Issig. “Viele erklären Kindern sehr gern etwas, weil sie wissen, wie wichtig verlässliche Antworten sind.”