Jahr für Jahr werden Millionen Zigarettenkippen in der Umwelt entsorgt. Dadurch gelangen Schadstoffe auch in Gewässer, wie eine neue Studie aus Berlin zeigt. Fachleute fordern Konsequenzen – auch von Einzelnen.
4,5 Billionen weggeworfene Zigarettenstummel landen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit pro Jahr in der Umwelt. Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin haben nun Gewässer der Hauptstadt auf Nikotin hin untersucht – und fanden es in jeder Gewässerprobe. Allerdings schwankte die Konzentration den Angaben zufolge stark zwischen 7 und 1.500 Nanogramm pro Liter.
“Die Hauptquelle für Nikotin ist tatsächlich der Niederschlag beziehungsweise Einleitungen aus der Kanalisation”, erklärte Studienleiter Markus Venohr. Nikotin sei nämlich gut wasserlöslich: Bereits nach etwa einer halben Stunde ist demnach etwa die Hälfte des Nikotins durch Regenwasser ausgewaschen. Eine Kippe – die den Großteil des Mülls in Städten ausmacht – enthalte noch rund zwei Milligramm Nikotin.
Der Studie zufolge variiert die Nikotinkonzentration je nach Gewässertyp. Am höchsten war sie demnach in Berliner Kanälen, gefolgt von Teichen, Flüssen, Seen und kanalisierten Bächen. Für ihre Untersuchung haben die Forscher im Sommer 2019 insgesamt 56 Wasserproben genommen.
Die gemessenen Nikotinkonzentrationen seien für die meisten Organismen zwar unbedenklich. Studienleiter Venohr gibt allerdings keine Entwarnung: “Angesichts der allgemein abnehmenden Wasserführung von Gewässern und der Zunahme von einzelnen Starkregenereignissen kann die Nikotinbelastung von innerstädtischen Gewässern auch in Berlin zu einem Problem werden.” Zudem werde aus Zigarettenstummeln nicht nur Nikotin, sondern “ein ganzer Cocktail” potenziell schädlicher Stoffe ausgewaschen, die einzeln oder zusammen weit größere ökologische Auswirkungen haben könnten.
Nach Angaben des Umweltverbands BUND gehören zu den weiteren Giftstoffen in Zigarettenkippen etwa Arsen, Blei, Chrom, Kupfer und Benzol. Zudem bestehe der Filter anders als häufig angenommen nicht aus organischem Material, sondern aus Kunststoff.
Umweltverbände und Verbraucherzentralen fordern Raucher auf, Kippen nicht auf den Boden zu werfen, sondern in die Einwürfe zu entsorgen, die an städtischen Mülleimern angebracht sind. Außerdem seien Taschen-Aschenbecher eine praktische Lösung. Zu Hause gehörten die Stummel – vollständig gelöscht – in den Restmüll. Weiterhin sehen sie, wie etwa auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund, Zigarettenhersteller in der Pflicht, sich an den Kosten etwa für die Entsorgung zu beteiligen.