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Zentraler Lernort für die NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose

In Ulm entsteht eine zentrale Gedenkstätte für die NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose. Der Gemeinderat stimmte einstimmig dem Lernort an der Martin-Luther-Kirche zu.

In Ulm entsteht eine zentrale Gedenkstätte für die NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose
In Ulm entsteht eine zentrale Gedenkstätte für die NS-Widerstandsgruppe Weiße RoseImago / Ralph Peters

Der neue Lernort Weiße Rose in Ulm nimmt Gestalt an. Ein einstimmiger Beschluss im Ulmer Gemeinderat ebnet den Weg für die zentrale Gedenkstätte an der Ulmer evangelischen Martin-Luther-Kirche. In deren Orgelkammer hatten Freunde und Unterstützer der Geschwister Scholl in einer konspirativen Aktion 1943 das fünfte Flugblatt der „Weißen Rose“ gegen das NS-Regime versandfertig gemacht.

Mit dem Lernort soll laut Ausschreibung für den Gestaltungswettbewerb ein „Ort von besonderer Anziehungskraft und Sichtbarkeit“ entstehen, der Menschen aller Altersklassen anspricht. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema soll zugleich zur Erinnerung und zur Vermittlung von Wissen beitragen: Zur Zielgruppe gehören vor allem Schulklassen, aber auch Passanten und Touristen.

Mit Installationen zum Widerstand der Weißen Rose

Für die Ausgestaltung des Lernorts wählte eine Jury aus 59 Bewerbungen eine Konzeption der Büros Brunner/Ritz und Glöckler aus, die eine freistehende, rund elf Meter hohe Orgelskulptur direkt an der Vorderseite der Kirche am Rande der Ulmer Innenstadt vorsieht. Innerhalb der Fassade aus rund 600 Rohrelementen in Form von Orgelpfeifen befindet sich ein Raum, der bis zu 30 Besuchern Platz bietet, mit medialen Installationen zum Widerstand der Weißen Rose.

Diese Konzeption nehme die Enge und Abgeschiedenheit der Orgelkammer auf und stelle gleichzeitig überzeugend öffentlich dar, was damals ganz im Geheimen geschehen musste, sagte der Ulmer Dekan Torsten Krannich dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die „klare Botschaft“ der Weißen Rose hob der Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD) hervor: „Sie appellierten daran, nicht wegzusehen, sondern sich aktiv für Demokratie, Frieden und Freiheit einzusetzen und Zivilcourage zu zeigen.“ Das Vermächtnis von Hans und Sophie Scholl und der Weißen Rose sei deshalb heute eine Verpflichtung, sagte der Oberbürgermeister dem epd.

Projekt erhält Bundeszuschuss von 1,5 Millionen Euro

Die geplanten Kosten für das Projekt belaufen sich den Angaben zufolge bisher auf rund 1,3 Millionen Euro. Aus Bundesmitteln sollen 1,5 Millionen für den Lernort zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeiten für den neuen Lernort sollen 2027 abgeschlossen sein.