Zu einem „Aufstand aller Demokraten“ haben die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey bei der Verleihung des diesjährigen Geschwister-Scholl-Preises aufgerufen. Die bloße Verteidigung des Status quo reiche nicht aus, sagten die Preisträger laut Manuskript am Dienstagabend in ihrer gemeinsamen Rede in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Wir müssen eine Gesellschaft schaffen, die eine Gleichwertigkeit des Lebens ermöglicht“, so Amlinger und Nachtwey.
Die Demokratie befinde sich in einer ihrer tiefsten Krisen seit 1945, viele Menschen zweifelten an deren Fähigkeit, die drängenden Probleme der Gegenwart zu lösen. Manche wollten aus Gleichgültigkeit oder offener Verachtung nichts mehr mit ihr zu tun haben, so die Soziologen. Doch noch stünde die Mehrheit der Menschen hinter der Demokratie und einem „Miteinander der Zivilität“. „Für den Moment müssen wir die AfD stoppen, uns der Politik der Grausamkeit widersetzen“, so Amlinger und Nachtwey: „Nicht nur bei den Wahlen, sondern auch am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Familie, im Freundeskreis.“
Carolin Amlinger und Professor Oliver Nachtwey, die beide an der Universität Basel lehren, wurden für ihr Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ (Suhrkamp) ausgezeichnet. Das Buch über die politische Gegenwart zeige unübersehbar, „dass die Gefährdung der Demokratie nicht nur von außen kommt, sondern aus uns selbst erwächst“, hieß es in der Jurybegründung.
Laudator Thomas Krüger, ehemaliger Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, würdigte das Buch laut Redemanuskript für seinen „klaren Kompass, der auf eine inklusive Gesellschaft zielt“, die wiederum von den verbindlichen Grundsätzen der Menschenwürde und den Menschenrechten getragen sei. Der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis wird seit 1980 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und der Landeshauptstadt München verliehen. (3719/25.11.2025)