Mit Kritik an christlichem Nationalismus und einer Erklärung zur Lage im Iran ist am Dienstag in Bonn die diesjährige Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland zu Ende gegangen. Das Kirchenparlament der mehr als zwei Millionen rheinischen Protestanten befasste sich seit Freitag mit zahlreichen Themen und Vorlagen – vor allem mit massiven Einsparungen. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse der fünftägigen Beratungen:
SPARMASSNAHMEN: Der Haushalt der landeskirchlichen Ebene wird durch mehr als 60 Maßnahmen bis zum Jahr 2030 um rund ein Fünftel gekürzt: Die Synode beschließt ein Sparpaket von 30,7 Millionen Euro. Betroffen sind unter anderem die evangelischen Schulen – sie erheben künftig ein freiwilliges Schulgeld -, die Studierendenarbeit, soziale Fonds, das Haus der Stille, die internationale Kirchengemeinschaft VEM und die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
KIRCHENSTEUER: Die Netto-Einnahmen aus der Kirchensteuer stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 802 Millionen Euro. Der Grund sind Sondereffekte durch die US-Zinspolitik und Clearing-Zahlungen zwischen den Landeskirchen.
ARMUT: Die Landessynode fordert entschlossene Maßnahmen gegen Armut: Es brauche bezahlbaren Wohnraum, armutsfeste Sozialleistungen und existenzsicherende Löhne. Ein Fokus müsse auf Kinder- und Altersarmut liegen. Die Landeskirche plant zusammen mit der Diakonie eine Kampagne zum Thema Armut.
IRAN: Die rheinische Kirche erklärt sich solidarisch mit den Menschen im Iran. Sie fordert humanitäre Visa und legale Zugangswege nach Deutschland für im Iran bedrohte Menschen. Nötig sei zudem ein sofortiger bundesweiter Abschiebestopp.
FLÜCHTLINGE: Die Landeskirche fordert, Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien auszusetzen, auch Abschiebungen von Jesiden müssten gestoppt werden. Die Synode warnt vor einer Polarisierung in der Debatte über Flucht und Asyl.
CHRISTLICHER NATIONALISMUS: Das Kirchenparlament kritisiert die Instrumentalisierung von christlichem Glauben zur Legitimation von Nationalismus, imperialer Machtpolitik und Migrationsfeindlichkeit. Der leitende Theologe Thorsten Latzel nennt christlichen Nationalismus „Irrglaube“, das Christentum werde in unsäglicher Weise missbraucht. Auch die Humanität sei in Gefahr.