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Snyder: Parallelen zwischen Trumps Regierungsstil und den Nazis

Der Historiker Timothy Snyder sieht Parallelen zwischen dem Regierungsstil von US-Präsident Donald Trump und den Methoden der Nazis. Hitler habe mit dem Reichssicherheitshauptamt eine Machtpyramide unter einheitlicher Führung geschaffen, sagte Snyder der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit Blick auf die US-Grenzschutzbehörde ICE sagte der Historiker: „Auch hier geht es um die Schaffung einer nationalen Polizeimacht in einem föderal organisierten Staat.“

Der amerikanische Professor widersprach dem in Deutschland verbreiteten Argument, Nazi-Vergleiche seien unzulässig, weil sie den Holocaust banalisierten oder seine Einzigartigkeit infrage stellten. Die Annahme, „dass solche Dinge anderswo nicht auch passieren können“, sei „eine Art negativer nationaler Exzeptionalismus“. Wer Vergleiche zwischen gegenwärtigen Entwicklungen und der Nazi-Diktatur ausschließen wolle, mache „die historische Erforschung des Holocausts nutzlos“.

In der Geschichte sei zwar alles einzigartig, aber man müsse sich „vor dem Fehlschluss hüten, dass deshalb aus dem Holocaust nichts gelernt werden kann“. Das Gegenteil sei richtig. „Wer den Holocaust ernst nimmt, erforscht alle Elemente, die ihn möglich gemacht haben, und versucht dadurch, die Gegenwart besser zu verstehen“. Derzeit gebe es „eine ziemliche Anzahl von Amerikanern in führenden Positionen, für die das Dritte Reich ein positives Beispiel“ sei.

Angesichts imperialer Tendenzen der Führungen in Amerika, Russland und China verwies Snyder auf die Bedeutung der EU. Diese versuche, „eine große integrierte Zone zu schaffen, die nicht auf Ausbeutung beruht und nicht auf dem Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie“. Die Europäer müssten verstehen, dass „heute ihre größten Konkurrenten Imperien sind. Dann würden sie vielleicht auch erkennen, wie wichtig ihre Union als Alternativentwurf ist.“