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Rheinischer Präses kritisiert Aussage zu Atomwaffen in Denkschrift

Der rheinische Präses Thorsten Latzel kritisiert die Aussagen in der neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Atomwaffen. Nukleare Abschreckung werde in dem Papier zwar als ethisch grundsätzlich verwerflich beurteilt, „aber es wird ein politisches Dilemma bei vorhandenen Waffen und externer Bedrohung gesehen“, sagte der Theologe am Freitag in Bonn. Er halte „eine klarere Aussage für notwendig, da Atomwaffen wahllos Leben in einer Region vernichten, es andere Formen der Abschreckung gibt und ihr Einsatz auch keine Denkoption sein darf.“

Das im November veröffentlichte EKD-Grundsatzpapier mit dem Titel „Die Welt in Unordnung“ ächtet Atomwaffen wie bereits das Vorgängerpapier von 2007 als friedensethisch nicht zu rechtfertigen. Zugleich erkennt es an, dass die Drohung mit Atomwaffen einer wirkungsvollen Verteidigung dienen könne. „Auch die nukleare Teilhabe oder der Besitz von Nuklearwaffen kann eine ethisch begründbare Entscheidung sein“, heißt es in der Denkschrift.

Auf Distanz ging Latzel auch zu Aussagen der Denkschrift zum Pazifismus, in der es heißt, christlicher Pazifismus sei „als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begründen“, sondern als „Ausdruck individueller Gewissensentscheidung“ zu würdigen. Auch wenn Pazifismus nicht seine persönliche Position beschreibe, „braucht es diese Haltung dringend, um einer Militarisierung unseres Denkens entgegenzuwirken“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland vor der in Bonn tagenden Landessynode.

„Wir brauchen eben nicht nur Verteidigungs-, sondern vor allem auch eine neue Friedensfähigkeit, betonte Latzel. “Wir müssen ‘Ent-Feindung’ lernen.„ Es gehe darum zu lernen, “wie wir aus Kriegen und Konflikten wieder herausfinden und auch, wie wir verhindern, dass es dazu überhaupt kommt”. Das sei alles andere als naiv.

Kritisch blickt der rheinische Präses auch auf Unsummen, die derzeit weltweit in Rüstung investiert würden, „während wir eigentlich alle unsere Kräfte für den gemeinsamen Kampf gegen Klimawandel und Armut bräuchten“. „Wir steuern als Menschheit im Augenblick in die komplett falsche Richtung“, sagte Latzel.