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Rheinischer Präses fordert gerechtere Verteilung von Vermögen

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kritisiert die ungleiche Verteilung von Reichtum in Deutschland. „Dass wir an die Frage von der sozialen Verantwortung Vermögender rangehen müssen, das ist unbedingt notwendig“, betonte der leitende Geistliche der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Montag auf der Landessynode in Bonn. Bereits das Grundgesetz beinhalte die Aussage „Eigentum verpflichtet“. „Entscheidend ist nicht nur die Frage von Besitz, sondern wie ich mit meinem Besitz umgehe“, erläuterte Latzel. Teilen sei für die Kirche elementar, nicht nur beim Abendmahl.

Die ungleiche Verteilung von Vermögen sei auch eine Frage des sozialen Zusammenhalts, unterstrich der Theologe. Denn wer arm sei, den träfen Inflation und steigende Wohnpreise stärker, und derjenige könne kaum Vermögen bilden. Zugleich warnte er vor einer „schiefen Sozialneiddiskussion“. Es gebe etwa in der rheinischen Kirche viele Unternehmer, die eine hohe soziale Verantwortung zeigen und gerade in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze schaffen würden. Durch ihre Beiträge könne sich die Kirche wiederum für arme Menschen engagieren.

Finanzchef Henning Boecker erläuterte, dass etwa die Hälfte der zwei Millionen Mitglieder der Evangelischen Kirche im Rheinland keine Kirchensteuer zahle. Ein großer Teil der Kirchensteuer komme aus einer relativ kleinen Gruppe. Im vergangenen Jahr hatte die rheinische Kirche Nettokirchensteuereinnahmen von 802 Millionen Euro. Etwa vier Prozent der Mitglieder sind laut Boecker für bis zu 25 Prozent dieses Aufkommens verantwortlich.

Die noch bis Dienstag in Bonn tagende Landessynode der rheinischen Kirche beschloss am Montag den stärkeren Kampf gegen Armut. Kirche habe den wesentlichen Auftrag, sich „Armut unter die Haut gehen zu lassen“, betonte die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Ilka Werner. Zudem könne sie deutlich stärker Teil der Lösung sein. So empfehlen die Synodalen Kirche und Diakonie, die eigenen Angebote „armutssensibel zu gestalten“. Dabei gehe es um die Themen Gebühren, Zugang, Sprache und Orte. Auch sollten Menschen mit Armutserfahrung an der Planung und Auswertung kirchlichen Handelns beteiligt werden.

Mit Blick auf die Politik werben die rund 180 Synodalen für einen stärkeren Einsatz gegen Armut. Soziale Infrastruktur müsse langfristig finanziert, bezahlbarer Wohnraum gesichert sowie armutsfeste Regelsätze und existenzsicherende Löhne gewährleistet werden. Ein Fokus müsse besonders auf Kinder- und Altersarmut gelegt werden. Des Weiteren fordern die Synodalen von der rheinischen Kirche eine Kampagne zum Thema Armut in diesem Jahr. Möglichst in Zusammenarbeit mit der Diakonie RWL solle so auf das Thema im politischen Diskurs bei Wahlen oder politischen Entscheidungsprozessen aufmerksam gemacht werden. „Die Diskussion ein Stück weit beeinflussen, das muss das Ziel sein“, sagte der Berichterstatter und frühere Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region, Ulrich Hamacher.

Die Tagung des Kirchenparlaments ist vom Thema Sparen geprägt. Am Montag beschlossen die rund 180 Synodalen Einsparmaßnahmen mit einer Gesamthöhe von 30,7 Millionen Euro. Allerdings passten sie gerade im Bereich des Sozialen die ursprünglichen Pläne an. Der mit einer Million Euro dotierte Arbeitslosenfonds wird nicht gestrichen, sondern um ein Viertel gekürzt. Auch der mit gut 125.000 Euro gefüllte landeskirchliche Härtefonds wird nicht abgeschafft, sondern um 55.000 Euro reduziert.