Der Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels zur Abschaffung des Rechts auf Teilzeit stößt in Niedersachsen auf Kritik. „Dieser Vorschlag macht mich als Arbeits- und Gleichstellungsminister fassungslos“, sagte Arbeits- und Sozialminister Andreas Philippi (SPD) am Montag in Hannover: „Insbesondere Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, um Job und Care-Arbeit unter einen Hut zu bekommen.“ Diakonie-Chef Hans-Joachim Lenke sagte, der Vorschlag gehe an der Realität vorbei.
Der Wirtschaftsflügel der CDU plant, den grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeit abzuschaffen. Ein entsprechender Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ soll Ende Februar auf dem Bundesparteitag eingebracht werden. In dem Antrag, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, wird gefordert, dass der bisher geltende Rechtsanspruch auf Teilzeit künftig nur bei „Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“ solle. Dazu zählten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen.
Philippi sagte, eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit wäre weit entfernt von der Lebenswirklichkeit vieler Beschäftigter. „Zugleich würde der Wirtschaft ein Bärendienst erwiesen: In vielen Branchen haben wir es schon heute mit einem akuten Fachkräftemangel zu tun.“ Eine Einschränkung des Rechtes auf Teilzeit werde zu einem Rückgang von Beschäftigung führen und im Zweifel besonders Frauen davon abhalten, berufstätig zu sein. Zudem unterstelle der Begriff der „Lifestyle-Teilzeit“, dass Menschen ihre Arbeitszeit vor allem für ihr Freizeitvergnügen verkürzten. Dies sei in den meisten Fällen aber nicht der Fall.
Lenke sagte, gegenwärtig fehlten häufig die notwendigen Rahmenbedingungen, um eine Vollzeitbeschäftigung insbesondere von Frauen zu verwirklichen. Die Ganztagsbetreuung von Kindern sei bisher nicht umgesetzt. „Auch bei der Pflege von Angehörigen gibt es oft genug kein ausreichendes Angebot.“ Zudem benötigten Unternehmen für manche Tätigkeiten keine volle Stelle, eine Teilzeit-Beschäftigung genüge. „Diese Flexibilität möchte ich als Arbeitgeber nicht missen.“
Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg war die Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 auf 40,1 Prozent gestiegen. Dies liege auch an einem Beschäftigungszuwachs in Branchen „mit einem hohen Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht und einem Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit einem hohen Vollzeitanteil“, hieß es.