Eine Initiative drängt den Freistaat zu mehr Engagement gegen Missbrauch und Gewalt: Dafür zusammengetan haben sich unter anderen Betroffene, Juristen und Pädagogen. Auch aus den Kirchen kommt Unterstützung.
Der Freistaat Bayern soll nach Vorbild des Bundes eigene Strukturen zur unabhängigen Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch in Institutionen schaffen. Das ist die Kernforderung einer Petition, die am 9. April im Bayerischen Landtag übergeben werden soll. Angestoßen hat die Aktion der Betroffenenbeirat der Erzdiözese München und Freising im November 2024.
Unterstützt wird die Petition, die unter anderen Betroffene, Wissenschaftler und weitere Fachleute erarbeitet haben, von beiden großen Kirchen im Freistaat. Dazu gehören das Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und der evangelische Landesbischof Christian Kopp.
Die Petenten wollen für Bayern eine eigene unabhängige Aufarbeitungskommission, bestehend aus Fachleuten verschiedener Disziplinen und Betroffenen. Die Kommission müsse in die Lage versetzt werden, Aufarbeitungsprozesse zu beauftragen und zu begleiten. Dafür solle sie mit einer Geschäftsstelle ausgestattet werden und Akten einsehen sowie Zeugen befragen dürfen.
Den Initiatoren geht es nicht nur um die Kirchen, sondern auch um Schulen, Vereine und andere Einrichtungen. “Denn Missbrauch und sexualisierte Gewalt finden überall dort statt, wo es Machtgefälle gibt.” Aus dem in der bayerischen Verfassung festgeschriebenen Wächteramt des Staates ergebe sich eine umfassende Schutzpflicht.
Wie im Bund würden der Petition zufolge weitere Strukturen auf Landesebene geschaffen, darunter ein Beauftragter gegen Gewalt in Institutionen, ein Betroffenenbeirat, dazu eine Stiftung und eine Forschungsstelle. Auch müsse es mehr Beratungsangebote geben, vor allem für erwachsene Betroffene mit lang zurückliegenden Gewalterfahrungen. Für Entschädigungsleistungen wird ein Fonds vorgeschlagen, in den Staat und Institutionen einzahlen.
Zu den Erstunterzeichnern zählen Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats in der Erzdiözese München und Freising, Robert Köhler vom Verein Ettaler Missbrauchs- und Misshandlungsopfer und der ehemalige Polizist Ignaz Raab, Vorsitzender der Unabhängigen Aufarbeitungskommission der Landeshauptstadt München.