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ORF-Journalist Armin Wolf will etwas gegen Internet-Trolle tun

Lange betrieb der österreichische Journalist Armin Wolf eine erfolgreiche Twitter-Seite. Nach der Übernahme von Elon Musk und der Umbenennung in X hat er die Plattform aber verlassen – und klagt nun gegen die Betreiber.

Der österreichische Journalist Armin Wolf verklagt die Online-Plattform X. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Wolf, die Plattform habe beleidigende Postings eines anonymen Accounts trotz mehrfacher Aufforderung nicht gelöscht. Auch die irischen Justizbehörden, die in der EU für die Aufsicht über X zuständig sind, “verweigern die Arbeit”, so Wolf weiter. Daher wolle er mit seiner Klage nicht nur einen konkreten Account-Betreiber zur Verantwortung ziehen, sondern auch dafür sorgen, dass die europäischen Gesetze gegen Hasspostings durchgesetzt würden.

Der Moderator des Nachrichtenmagazins “Zeit im Bild 2” und Vize-Chefredakteur des ORF-Fernsehens war 15 Jahre lang Twitter-Nutzer. Mit über 640.000 Followern betrieb er den wohl erfolgreichsten Kanal aus Österreich. Nach der Übernahme von Elon Musk und der Umbenennung in X hat Wolf der Plattform aber schon vor über einem Jahr den Rücken gekehrt.

Er sagt: “Auf X war ich 15 Jahre lang sehr aktiv und lange sehr happy. Ich habe dort sehr viel gelernt, viel erfahren und mit vielen interessanten Menschen diskutiert.” Dann habe leider Elon Musk die Plattform übernommen und die Moderation der Postings eingestellt, so Wolf: “Unter jedem politischen Posting standen Hunderte Beschimpfungen; eine vernünftige Debatte war nicht mehr möglich.”

Seinen Rückzug begründet Wolf mit einem Vergleich: Wenn der Wirt in einem Gasthaus plötzlich eine Horde Skinheads ins Lokal hole, sollte die übliche Stammtischrunde das Lokal wechseln, fordert der Journalist. Nach der Übernahme der Plattform durch Musk hatten viele Nutzer beklagt, dass rechtsextreme, rassistische und antisemitische Stimmen deutlich mehr Reichweite erhalten hätten und der Ton auf der Plattform sich verschärft habe.

Die Kontroverse hat auch Wolfs Bild über Soziale Medien allgemein verändert. Wer für eine Nachrichtensendung arbeite, komme ohne Social Media nicht mehr aus, so Wolf: “Aber würden die Plattformen morgen aus irgendeinem Grund nicht mehr da sein – ich wäre nicht traurig.”

Anfangs sei er von der Idee wirklich begeistert gewesen, aber seit es nur mehr darum gehe, “mit möglichst emotionalisierenden und empörenden Postings möglichst viele Leute möglichst lange online zu halten”, habe Social Media de facto den öffentlichen Diskurs zerstört, erklärt Wolf: “Das sind diskursive Massenvernichtungswaffen geworfen. Leider.”