Brandenburg und Armenien setzen die Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich fort. Dazu sei am Montag in Potsdam ein Memorandum unterzeichnet worden, teilte das Kulturministerium in Potsdam mit. Das Forschungsprojekt „Deutsche Täter und Helfer im Osmanischen Reich“ des Potsdamer Lepsiushauses werde vom Land Brandenburg und von der Republik Armenien 2026 und 2027 mit insgesamt 30.000 Euro gefördert. Es soll in ein Buch münden, das auch im Schulunterricht genutzt werden kann.
Kulturministerin Manja Schüle (SPD) betonte, der evangelische Theologe Johannes Lepsius (1858-1926) habe mit seinem 1916 von Potsdam aus verschickten Bericht über Vertreibungen, Todesmärsche und Massaker an den Armeniern ein aufrüttelndes Dokument vorgelegt. Weltweite Krisen und Kriege machten auch heute deutlich, wie wichtig faktenbasierte Aufklärung und die Erforschung authentischer Quellen seien: „Als Bollwerk gegen Fake News, neuerlichen Nationalismus, Ausgrenzung und entgleisende Regimes.“
Der armenische Botschafter Viktor Yengibaryan erklärte, die Aufarbeitung der Geschichte helfe, „die dunklen und unmenschlichen Kapitel der Vergangenheit offen zu benennen, daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen und so ihrer Wiederholung vorzubeugen“.
Lepsius einstiger Wirkungsort in Potsdam ist seit 2011 Sitz der Forschungs- und Begegnungsstätte Lepsiushaus. Sie wird den Angaben zufolge jährlich mit rund 45.000 Euro vom Kulturministerium gefördert. Hinzu kommen Mittel für Projekte zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und Armenien.