Im Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren lädt der evangelische Kirchenkreis Mecklenburg gemeinsam mit sechs Kirchengemeinden in den kommenden Wochen zu einer Veranstaltungsreihe zwischen Wismar und Parchim ein. In dieser Region seien im April und Mai 1945 die Militärverbände unterschiedlichster Nationen, Heimatvertriebene, Zwangsarbeiter und Todesmärsche von KZ-Insassen aufeinander und auf Einheimische getroffen, teilte der Kirchenkreis am Mittwoch mit.
Gemeinsam mit dem Historiker Christoph Wunnicke (Schwerin) und den beteiligten Kirchengemeinden werde zu insgesamt sechs Vortrags- und Diskussionsabenden eingeladen. In den Gesprächsrunden werden kurz der aktuelle Forschungsstand präsentiert und recherchierte Quellen vorgestellt. „Gemeinsam wollen wir anschließend mit den Bewohnern der Gemeinden und Zeitzeugen diskutieren und so das Gedächtnis an diese dunklen Kapitel unserer Geschichte lebendig halten“, hieß es.
Dabei sollen die historischen Hintergründe der jeweiligen Ereignisse im Frühjahr 1945 kurz dargestellt werden. Geplant sei, dass Zeitzeugen oder deren Familien von ihren persönlichen Erfahrungen aus dieser Zeit erzählen. Den Kern der Veranstaltung bildet den Angaben zufolge die offene Diskussion. „Wir möchten das Publikum ermutigen, eigene Erinnerungen oder die Geschichten der Familie zu teilen – sei es über die letzten Kriegstage, die Begegnungen mit der Roten Armee und den Alliierten, die ersten Monate nach dem Krieg oder das Schicksal der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in der Region bis hin zur Bodenreform“, so Christoph Wunnicke, der die Veranstaltungen auch moderiert.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe stehe dabei die Frage, ob es in der Region nur Opfer oder auch Täter des Nationalsozialismus gegeben habe. Bislang gebe es keine umfassenden Studien über mecklenburgische Täter des Holocausts und anderer NS-Verbrechen, „obwohl sie in unserer Mitte lebten und wirkten“. Diese Seite der Geschichte verdiene es, erforscht zu werden, „auch als eine Aufgabe der Kirche“.