Vergiftet, beschossen, in Fallen gefangen: Die illegale Verfolgung und Tötung geschützter Vögel in Bayern nimmt zu. Im vergangenen Jahr seien 30 vergiftete Vögel gezählt worden, teilte der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein am Mittwoch mit. Dazu kämen Beschuss und illegale Fangmethoden. Der LBV und die Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) hätten im Rahmen ihres Projekts „Tatort Natur“ so viele Fälle von Naturschutzkriminalität registriert wie seit vier Jahren nicht mehr. Von einer hohen Dunkelziffer sei auszugehen.
„Die illegale Verfolgung geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, sagte LBV-Projektmitarbeiterin Nicole Meier. Insgesamt seien 133 tote Großvögel gemeldet worden. Ist die Todesursache des Vogels bei einer Obduktion nicht ersichtlich, wird laut LBV eine toxikologische Untersuchung eingeleitet. Auf diese Weise hätten 30 Vergiftungsfälle nachgewiesen werden können. Besonders oft sei dabei das seit 2008 in der EU verbotene Insektizid Carbofuran zum Einsatz gekommen. Das Nervengift wirke bereits bei Hautkontakt und sei auch für Menschen gefährlich. Frisst ein Greifvogel einen damit präparierten Giftköder, sterbe er kurz darauf qualvoll.
Für Aufsehen habe ein Fall im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau gesorgt, wo Ende Juli 2025 mehrere tote Greifvögel entdeckt worden seien. Sie seien an einer Carbofuran-Vergiftung gestorben, teilte der LBV weiter mit. In der Oberpfalz wurden zwei Sperber erschossen. Ein Weißstorch im Unterallgäu hingegen überlebte eine schwere Schussverletzung an beiden Flügeln, weil er rechtzeitig medizinisch behandelt wurde. Die Täter könnten selten ermittelt werden. Die Sensibilisierung von Gesellschaft, Polizei, Staatsanwaltschaften und Behörden sei daher entscheidend, um bei der Strafverfolgung tatsächlich Erfolge zu erzielen, teilte der LBV mit. (0277/28.01.2026)