Die Ernüchterung war groß. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, den Prozess in seiner jetzigen Struktur zu beenden“, hieß es im Mai 2023 vor der hannoverschen Landessynode. Gemeint war der Zukunftsprozess, der erst wenige Monate zuvor mit viel Hoffnung und großer Offenheit gestartet war. Es sollten Ideen für die Arbeit in der Kirche gesammelt und eine Erneuerung angestoßen werden.
Niemand bezweifelt, dass die Landeskirche Hannovers angesichts sinkender Einnahmen und steigender Kosten vor tiefgreifenden Einschnitten steht. Und so war klar, dass der Zukunftsprozess, also der Versuch, diesen Wandel systematisch zu steuern, erneut in Angriff genommen werden musste: allerdings mit einem neuen Team, konkreteren Vorgaben als zuvor und in engerer Anbindung an Landeskirchenamt, Kirchenleitung und Landessynode, die sich im Februar neu zusammensetzt.
“Anfänge im Glauben” soll neuer Schwerpunkt kirchlicher Arbeit werden
Alle kirchlichen Arbeitsgebiete stehen mit dem Zukunftsprozess auf dem Prüfstand. „Es genügt nicht mehr, die bisherige Arbeit zu optimieren“, erklärt Pastor Manuel Kronast, der das neue „Team Zukunft“ leitet. „Wir müssen die Kirche zukunftsstrategisch denken und neue Strukturen schaffen.“
Die entscheidende inhaltliche Vorgabe hat noch die 26. Landessynode im Mai 2025 beschlossen. Die Arbeit der Landeskirche, alle Angebote bis hin zur Gemeindeebene sollen künftig am Thema „Anfänge im Glauben“ ausgerichtet werden, einem Impuls, der sich an alle Generationen richten soll. „Das ist wie eine Brille, mit der wir priorisieren können“, erklärt Christin Passchier, die im Zukunftsprozess für Kommunikation verantwortlich ist. Zu ihren Aufgaben gehört es, Impulse in die Kirchenkreise zu tragen und ihre Reformbemühungen mit dem Zukunftsprozess zu vernetzen. „Man muss miteinander reden und die Bedürfnisse der Beteiligten vor Ort verstehen.“ Es gehe um schmerzhafte Prozesse.
Zukunftsprozess soll alle Ebenen und Reformprozesse einbinden
Herausgefordert wird der Zukunftsprozess allerdings nicht nur durch die vielen Beteiligten und unterschiedlichen Voraussetzungen. Er soll zudem auch alle bereits vor längerer Zeit angestoßenen Reformprozesse zusammenführen, etwa in der Verwaltung oder bei der Weiterentwicklung der kirchlichen Berufe. Dies war im ersten Anlauf des Zukuntsprozesses noch nicht ausreichend geschehen.
Die ersten Schritte seien unternommen, bilanziert Pastor Kronast das Vorankommen. „An vielen Orten entstehen neue Formate.“ Und Passchier ergänzt: „Die Kirchenkreise fragen nicht mehr nach dem ‚Warum‘, sondern beschäftigen sich mit dem ‚Wie‘.“
Weitere Infos zum Zukunftsprozess der Landeskirche Hannovers und zu neuen Projekten unter: www.zukunftsprozess.de
