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Gedenkstätten-Leiter beklagen schwindenden Respekt

Bei einer Führung im Konzentrationslager zeigt ein Schüler den Hitlergruß: Solches schmähende und unangemessene Verhalten von Schülern ist kein Einzelfall. Das wirft auch Fragen an die Lehrer auf.

NS-Gedenkstätten beklagen zunehmenden Vandalismus und unangemessenes Verhalten junger Menschen. “Wir erleben in Bergen-Belsen auch, dass beispielsweise ein Schüler in der Ausstellung den Hitlergruß zeigt”, sagte die Leiterin der Gedenkstätte, Elke Gryglewski, im Interview mit der Zeitung des Kulturrats “Politik & Kultur” (Februar).

Auch ihre Kollegen aus den Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen berichteten von derartigen Vorfällen – etwa, dass Schüler bei Führungen demonstrativ Desinteresse zeigten oder vor Verbrennungsöfen für Instagram posierten. “Man muss noch differenzieren zwischen den alten und neuen Bundesländern. Aber auch bei uns hat sich die Situation erheblich verschlechtert”, so Gryglewski.

Inhaltliche Positionierung spiele ihres Erachtens dabei eine große Rolle. Einige Jugendliche seien dezidiert rechts, andere gelangweilt. Es könne aber auch sein, dass der Besuch falsch vorbereitet worden sei. “Irgendwo muss dieser große Prozentsatz von AfD-Wählerinnen und -Wählern ja herkommen. Da sind auch Lehrkräfte dabei, die dann nicht reagieren, wenn die Jugendlichen sich auf diese Weise positionieren, die gar keine Lust und kein Interesse haben, zu intervenieren oder Einfluss darauf zu nehmen, wie ihre Gruppe sich verhält”, sagte Gryglewski.

Es gebe im pädagogischen Kontext kein Schema F. Daher hänge es vom Einzelfall ab, wie man als Gedenkstättenmitarbeiter reagiere. Nicht immer lasse sich die Situation mit einem Gespräch auflösen, so Gryglewski. Manchmal sei die zur Schau getragene Haltung oder Abgestumpftheit zu extrem. “Gleichzeitig ist es wichtig zu sagen, dass der überwiegende Teil unserer Besucherinnen und Besucher interessiert ist.”