Artikel teilen:

Ein “Taxi Driver” einsam und mordend in New York

Noch heute gilt Martin Scorseses Thriller „Taxi Driver“ vielen als einer der besten amerikanischen Filme aller Zeiten. Vor 50 Jahren, am 8. Februar 1976, kam er in den USA in die Kinos.

„Taxi Driver“ nimmt Zuschauer mit in das verstörende Leben des Vietnamkriegsveteranen Travis Bickle im New York City der 1970er Jahre. Im Leben des 26-Jährigen herrscht innere Angst, Leere und Einsamkeit, wie Drehbuchautor Paul Schrader im Script anweist. Das Ende sei geradezu vorbestimmt. „Wie sich die Erde auf die Sonne zubewegt“, schrieb Schrader, bewege sich Bickle auf Gewalt hin.

Gesprochen wird über „Taxi Driver“ häufig im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan 1981 in Washington. In „Taxi Driver“ plant Bickle einen Anschlag auf einen Präsidentschaftskandidaten. Reagen-Attentäter John Hinckley war anscheinend getrieben von einer bizarr anmutenden Obsession in Bezug auf die damals zwölfjährige Hauptdarstellerin Jodie Foster. Reagan überlebte. Hinckley wurde wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht schuldig gesprochen und 2016 aus einer geschlossenen Klinik entlassen.

Der junge Robert De Niro spielt Bickle. Der Spielfilm beginnt mit seiner Jobsuche im schäbigen Büro eines Taxi-Unternehmens. Warum er Taxi fahren will, will der Mann am Schreibtisch wissen. Bickle sagt, er könne nachts nicht schlafen. Für so etwas gebe es doch Porno-Kinos, kontert der Mann. Er habe das versucht, sagt Bickle und bleibt distanziert. Im Mai 1973 sei er ehrenhaft vom Militärdienst bei den Marineinfanteristen entlassen worden.

Travis Bickle fährt die Nachtschicht auf Straßen mit Schlaglöchern, vorbei an Neonreklame und Graffiti, nimmt alle mit, die sein Taxi mieten wollen, in der Unterwelt von New York: Schwarze, Huren, Junkies, Schwule, wie er sagt. In seiner Einsamkeit verachtet er die Menschen und die Stadt. Man müsse den Abschaum und Dreck wegschaffen, sagt er dem Präsidentschaftskandidaten Charles Palantine (Leonard Harris), der zufällig in sein Taxi steigt.

Das New York der 70 Jahre war anders als das heutige mit den Luxus-Hochhäusern, Touristen und teuren Restaurants. Die Pornoschuppen am Times Square sind heute weg, Amerikas größte Stadt stand vor einem halben Jahrhundert kurz vor dem Konkurs. Es war in den USA eine Zeit der Unsicherheit. Gerald Ford hatte den zurückgetretenen Richard Nixon im Weißen Haus abgelöst. Ford wollte der Stadt nicht unter die Arme greifen.

Im Magazin „Film Comment“ hat Schrader 1976 über das Taxi gesprochen. Es sei ein „perfektes Symbol städtischer Einsamkeit“, ein „Metallsarg“ für einen Mann, der „ständig von Menschen umgeben ist, und doch keine Freunde hat“.

Die Kritik zu „Taxi Driver“ im „New Yorker“ nach der Uraufführung am 8. Februar 1976 war sehr positiv. Kein Film habe die menschliche Gleichgültigkeit in der Stadt so beeindruckend dargestellt, erst als schrecklich lustig, dann nur noch als schrecklich.

Travis, der von seinen Fahrgästen behandelt wird wie ein Roboter, sehnt sich nach Anerkennung. Die schöne Sekretärin Betsy (Cybill Shepherd), aus einer anderen gesellschaftlichen Welt, die für Palantine arbeitet, interessiert sich zuerst für den jungen Mann. Er erinnere sie an Folk-Sänger Kris Kristofferson. Doch sie lässt ihn abblitzen. Bickle ist verletzt. Betsy geht nicht mehr ans Telefon. Er legt sich ein kleines Waffenarsenal zu mit der Absicht, Palantine zu töten, den großen Mann in Betsys Leben. Der „Taxi Driver“ kann seinen Plan nicht verwirklichen.

Travis Bickle macht sich zum Schützer. Er hat die zwölfjährige Iris (Jodie Foster) kennengelernt, die von ihrem Zuhälter (Harvey Keitel) zur Prostitution gezwungen wird. Bickle will das nicht ansehen. Er richtet ein Blutbad an beim Töten des Zuhälters. In New Yorks Medien wird er gelobt als Held, der ein Mädchen gerettet hat.

„Taxifahrer bekämpft Gangster“, heißt eine Schlagzeile. Iris’ Eltern schreiben Bickle einen Dankesbrief. Es dürfe sie jederzeit besuchen. Bickle fährt weiter Taxi. Strafrechtlich wird er nicht belangt.

Das katholische Magazin „America magazine“ hat zum 50. Jahrestag „Taxi Driver“ als „eines der besten Porträts einer einzigartigen amerikanischen Art der Entfremdung“ bezeichnet, „die viel zu oft in Gewalt explodiert“. Durch seine umjubelte Gewalttat glaube Travis, man werde ihn endlich wahrnehmen. Das treffe vermutlich zu für „die meisten entfremdeten jungen Männer“, die für Gewaltexzesse verantwortlich seien.

In der Schlussszene steigt Betsy überraschend in Bickles Taxi. Wie es ihm gehe, fragt sie von der Rückbank. Zeitungen übertrieben solche Sachen immer, sagt er. Betsy steigt nach einer kurzen Fahrt aus und will zahlen. Travis schaut sie an und fährt in die Nacht.