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Ein ABC zum 50. Todestag von Agatha Christie

Hercule Poirot und Miss Marple – sie trafen sich nie – sind Agatha Christies weltberühmte Detektive. Doch wer war Inspektor Japp, und was hat es mit Kinderreimen auf sich? Ein kleines, unvollständiges ABC für Angeber.

Schon über Hercule Poirot ließen sich viele Seiten füllen, taucht doch niemand so häufig in den Krimis von Agatha Christie auf wie der belgische Detektiv. Dabei hat die Vielschreiberin, die am 12. Januar 1976 starb, ihr eigenes Universum hinterlassen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat einige Fakten über die Queen auf Crime zusammengetragen.

A – Auszeichnungen

Die beste Krimiautorin aller Zeiten: Diese Auszeichnung erhielt Christie nach einer Umfrage des britischen Verbandes Crime Writer’s Association im Jahr 2013. Auch der beste Krimi aller Zeiten stammt von ihr: “Alibi”, im Original “The Murder of Roger Ackroyd”.

Ä – Ägypten

Als 18-Jährige reiste Christie 1908 erstmals nach Kairo und bedauerte später, sich nur für Partys interessiert zu haben. Das änderte sich grundlegend. Christie ist allgegenwärtig. So lässt sich auf dem Schiff Sudan, auf dem auch sie reiste, noch heute eine Nilkreuzfahrt machen; auch in der Kabine Nummer 1, der Agatha-Christie-Suite.

B – Branagh, Kenneth

In “Mord im Orientexpress” (2017), “Tod auf dem Nil” (2022) und “Ein Spuk in Venedig” (2023) spielte er Hercule Poirot und führte Regie. Mit den Neuverfilmungen hat ein jüngeres Publikum Christie entdeckt. Auch zeigen die Filme, wie zeitlos der Stoff ist.

C – Crooked House

Der eher unbekannte Roman “Das krumme Haus” kam 2018 in die Kinos. Die Kritik: eher mäßig. Dennoch ist der Krimi ein wahrer Tabubruch. Dürfen Täter minderjährig sein?

D – Devon

Am River Dart in der Grafschaft Devon liegt Greenway Garden, die Sommerresidenz Christies. Auf dem Anwesen spielt der 1956 veröffentlichte Roman “Wiedersehen mit Mrs. Oliver”. Heute wird die Anlage vom National Trust verwaltet und kann besucht werden.

E – Ehe

Zweimal heiratete die geborene Agatha Mary Clarissa Miller, 1914 Archibald Christie und 1930 den fast 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan.

F – Fotografie

Max Mallowan führte zahlreiche Ausgrabungen durch, etwa im heutigen Irak und in Syrien. Christies Aufgabe war es, diese zu fotografieren.

G – Giftmorde

Als Profi in Sachen Arzneimitteln und Giften ließ sie mit Nikotin und Arsen morden. Denn im Ersten Weltkrieg arbeitete Christie im Krankenhaus von Torquay und legte die Apothekerprüfung ab. Den zusätzlichen Unterricht bei einem örtlichen Apotheker beschreibt sie als spannend. Gleichzeitig versuchte sie, Distanz zu halten. Denn offenbar kam es laut Autobiografie zu sexueller Belästigung.

H – Hjerson, Sven

Ob Kulthörspielserie “Die drei Fragezeichen”, Mithu Sanyals 2024 veröffentlichter Roman “Antichristie” oder der fiktionale finnische Detektiv Sven Hjerson, den die ebenso fiktionale von Christie erdachte Kriminalromanautorin Ariadne Oliver erschaffen hat: In Literatur und Film finden sich zahlreiche Christie-Referenzen und Spin-offs.

I – Irak

Erste Reise im Jahr 1928. Später nahm Christie an den Ausgrabungen ihres Mannes in Ninive teil. Ein Teil der Fundstücke gehört zur Sammlung des British Museums in London.

J – Japp, James

Eine weniger bekannte, aber wiederkehrende Figur, die an Inspektor Lestrade erinnert. Die Geschichten von Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle inspirierten Christie vor allem in den Anfangsjahren.

K – King’s Abbott

Der fiktive Ort ist Schauplatz eines besonderen Romans: Alibi. Durchgehend in der Ich-Perspektive geschrieben, läutet eine Wende im Krimi-Genre ein. Wer ist bloß der Mörder?

L – Lindbergh, Charles

Wahre Begebenheiten und persönliche Erlebnisse finden sich in einer Reihe von Romanen. So war die Vorlage für “Mord im Orientexpress” die Entführung des 20 Monate alten Sohnes des Flugpioniers Lindbergh im Jahr 1932.

M – Mausefalle

1952 erstmals auf der Bühne. Seitdem ist “Die Mausefalle” das am längsten aufgeführte Theaterstück der Welt, das nur während der Corona-Pandemie eine Zwangspause einlegen musste. Allabendlich werden die Zuschauer im Londoner St. Martin’s Theatre am Ende der Vorstellung gebeten, die Auflösung bloß nicht zu spoilern.

N – Nursery Rhymes

Ein schiefer Mann im schiefen Haus, drei blinde Mäuse oder das kleine Schweinchen. In vielen Romanen sind englische Kinderreime von zentraler Bedeutung und helfen bei der Aufklärung des Verbrechens. Doch Christie bediente sich auch anderer Bücher. So stammt der Titel “N or M” aus dem allgemeinen Gebetsbuch der Anglikanischen Kirche.

O – Orient

Ein Hotel in London, ein Familiensitz auf dem englischen Land oder das fiktive Dorf St. Mary Mead, in dem Miss Marple lebt, sind typische Schauplätze. Dennoch spielen Krimis wie “Mord in Mesopotamien” und “Mord im Orient-Express” auch im Irak oder der Türkei.

P – Poirot, Hercule

Das perfekte Ei, der perfekt geformte Schnurrbart, die kleinen grauen Zellen: Der pedantische und selbstverliebte Meisterdetektiv aus Belgien – und nicht Frankreich! – ermittelt in 33 Romanen, so oft wie keine andere Figur. Belgische Flüchtlinge, die im Ersten Weltkrieg nach England kamen, brachten Christie auf die Idee, Poirot zu erschaffen. Schnell bedauerte sie, dass dieser bereits bei seinem ersten Fall im fortgeschrittenen Alter war. Er ermittelte 55 Jahre lang.

Q – Queen Elizabeth II.

Sie trafen sich mehrfach. 1971 ernannte die Queen Christie für ihre Verdienste um die Literatur zur “Dame Commander of the Order of the British Empire”.

R – Rutherford, Margaret

Die in Deutschland bekannteste Miss-Marple-Darstellerin ist Margaret Rutherford (1892-1972), die sie aber nur in vier Filmen verkörperte; legendär ist Rutherfords Mimik. Begeistert aber war Christie von Joan Hickson (1906-1998), die Miss Marple in der BBC-Fernsehserie von 1984 bis 1992 spielte. Nachdem Hickson bereits in den 1940er Jahren in der Bühnenfassung von “Der Tod wartet” aufgetreten war, soll Christie ihr geschrieben haben: “Ich hoffe, dass Sie eines Tages meine liebe Miss Marple spielen werden.”

S – Stringer, James

In den Romanen hat es Mr. Stringer, treuer Begleiter der Rutherfordschen Miss Marple, nie gegeben. Seine Figur, gespielt von Rutherfords Ehemann Stringer Davis, soll auf Wunsch der Schauspielerin eingefügt worden sein.

T – Torquay

Geburtsort. Heute befindet sich in Torquay das einzige permanente Agatha-Christie-Museum.

U – Umbenennungen

“Und dann gab’s keines mehr” – so heißt seit 2002 der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten auf Deutsch. Grund: Das N-Wort, im Jahr der Erstausgabe 1939 noch völlig gebräuchlich, wird längst als beleidigender und kolonial rassistischer Begriff eingestuft.

V – Verfilmungen

Ob für die Kinoleinwand, das Theater oder eine Fernsehserie: Romane und Kurzgeschichten gibt es in verschiedenen Fassungen auch zu sehen, Ausnahme: “Passagier nach Frankfurt” (1970). Es ist einer der wenigen Spionagethriller Christies und erschien erst 2008 auf Deutsch. Bis heute sind die Kritiker geteilter Meinung.

W – Whodunit

Ein schweres Verbrechen, ein Schauplatz abgeschnitten von der Außenwelt, ein kleiner Kreis von Verdächtigen und logische Schlussfolgerungen sind typisch für dieses Krimi-Genre. Christie schuf zahlreiche solcher Romane.

X – Xhosa

Auch auf Xhosa, einer in Südafrika gesprochenen Sprache mit Klicklauten, gibt es Christie-Krimis, etwa “Ukubulala Kwiikhonkco” – “Mord auf dem Golfplatz”. Ihr Werk wurde in mehr als 100 Sprachen übersetzt.

Y – Yorkshire

Mord, Suizid oder PR-Kampagne? Christie verschwand am 4. Dezember 1926 für elf Tage spurlos. 15.000 Menschen suchen nach ihr, bis sie schließlich im Swan Hydro Hotel in Harrogate in Yorkshire entdeckt wurde.

Z – Zeugin der Anklage

Sechs Oscar-Nominierungen im Jahr 1958 für eines der größten Gerichtsdramen aller Zeiten. Die Vorlage lieferte die 1925 veröffentlichte Kurzgeschichte “Traitor’s Hands”. Unvergessen in der Verfilmung ist Marlene Dietrich.