In Deutschland sei ein anhaltendes Engagement gegen Antisemitismus zu beobachten – aber es müsse noch mehr werden, sagt Tova Friedman, Überlebende der Hölle von Auschwitz. Denn: “Nie wieder” dürfe keine Parole sein.
Die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman hat zu einem verstärkten Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. Judenhass nehme auch in Deutschland immer mehr zu, sagte die 87-Jährige am Mittwoch im Bundestag bei der Gedenkstunde 81 Jahre nach dem Ende der Schoah. “Lassen Sie nicht zu, dass der Antisemitismus wieder anwächst”, appellierte Friedman unter Applaus an die Abgeordneten. Anstrengungen müssten durch Politik, Bildung und den Schutz jüdischer Bürger unternommen werden. “Möge die Verantwortung zum Handeln führen. Und möge das Handeln sicherstellen, dass ‘Nie wieder’ keine Parole bleibt, sondern eine bleibende Verpflichtung.”
Zugleich betonte Friedman, die als Kleinkind zusammen mit ihrer Mutter die Schoah überlebt hatte, dass sie mit Dankbarkeit Deutschlands anhaltendes Engagement bei der Bekämpfung von Antisemitismus anerkenne. “Deutschland versteht vielleicht mehr als jedes andere Land, was passiert, wenn Hass normalisiert und Verantwortung beiseitegeschoben wird.”
Programme, die Lehrer und Schüler nach Israel und in die Gedenkstätten schickten, förderten die Anerkennung und ein besseres Verständnis für das jüdische Volk und seine Geschichte. Deutschland habe aus eigener, bitterer Erfahrung gelernt, was ungebremster Hass gegenüber einem ganzen Volk dem moralischen und emotionalen Gefüge einer Nation antun könne, betonte Friedman, die heute in den USA lebt und gemeinsam mit ihrem Enkel in kurzen Videos auf TikTok an die Schoah erinnert.
Die jüngere Generation sei nicht verantwortlich für das, was in Auschwitz und anderen Nazi-Lagern passiert sei. An die Adresse der Parlamentarier mahnte Friedman, dass sie verantwortlich seien für eine Welt, die sie gestalteten. “Und das bedeutet, diese Seuche, diese Epidemie des Hasses, diesen Antisemitismus, sehr ernst zu nehmen. Neutralität angesichts von Hass ist keine Neutralität, sondern sie bedeutet Zustimmung.”
Jährlich ehrt der Bundestag anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar die Toten und Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen. Am Mittwoch waren auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend. Im vergangenen Jahr sprach der Holocaust-Überlebende Roman Schwarzman aus der Ukraine vor den Abgeordneten.