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ARD-Miniserie über den Ölboom in der Lüneburger Heide

Ölboom im Norden – eine Miniserie beleuchtet ein kaum bekanntes Kapitel norddeutscher Geschichte. Dabei geht es um Themen, die auch heute noch aktuell sind.

Erdöl gilt als “Schwarzes Gold”. Man verbindet seine Gewinnung mit den USA und dem Orient. Dabei wurde noch um 1900 auch in der Lüneburger Heide Erdöl gefördert. Eine gleichnamige ARD-Miniserie – “inspiriert von wahren Begebenheiten” wie es zu Beginn heißt – beleuchtet ein einzigartiges Kapitel norddeutscher Geschichte. Alle vier Folgen sendet Das Erste am 29. Dezember ab 20.15 Uhr linear hintereinander; zudem ist sie als Sechsteiler in der ARD-Mediathek abrufbar. Jeder Film für sich, aber auch die ganze Serie verspricht eine interessante Zeitreise.

Tatsächlich brach in der Lüneburger Heide vor rund 125 Jahren ein Ölboom aus, der eine ganze Region in einen deutschen “Wilden Westen” verwandelt. In Folge 1 gerät die ärmliche Bauernfamilie Lambert unverschuldet in finanzielle Not. Denn die 20-jährige Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten) verliert ihre Anstellung und soll für neue Arbeit ihre Heimat Richtung Stadt verlassen. Einzig Richard Pape (Aaron Hilmer) will das verhindern, denn Johannas Jugendliebe vermutet Öl unter dem Lambert-Wald und will den wertvollen Rohstoff fördern und ihr Beschäftigung bieten. Doch Johanna gerät in ein Spannungsfeld von Liebe, Gier und Verrat.

Erfinder dieser Geschichte ist der Headautor Justin Koch. Seine beiden Co-Autoren Pamela Katz und Florian Vey hatten schon lange und intensiv an der Serie gearbeitet, als Thorsten Näter, wie er sagt “beim Endspurt hinzugeholt” wurde, “um noch mal einen frischen Blick auf das Ganze zu werfen”. Der Hamburger Autor hat – mit Krimis wie “Ein starkes Team” und der ARD-Erfolgsserie “Die Kanzlei” – fast fünf Jahrzehnte Erfahrung in Buch und Regie. Besonders war für ihn eine Westernserie in der Lüneburger Heide mit einem Brückenschlag ins heute.

“Gerade in Zeiten, wo sich überall der Wunsch nach Protektionismus Bahn bricht, was ja auch ein Ausdruck von Gier ist, ist eine Serie zu dem Thema mehr als passend”, erklärt Näter der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ihm sei wichtig, “dass hier keine behagliche Sissy-Atmosphäre aufgebaut wird, sondern das harte Leben der Menschen in dieser Zeit gezeigt wird”.

In vielen starken Bildern – gedreht großen Teils am Originalschauplatz Lüneburger Heide und konkret im Museumsdorf Hösseringen und im Camp Reinsehlen bei Schneverdingen – erzählt die mit frischen Gesichtern gut besetzte ARD-Miniserie von einer längst vergangenen und fast vergessenen Zeit. Die Folgen zeugen von der zerstörerischen Kraft grenzenlosen Egoismus’, aber auch vom Mut, sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen.

“Alle Themen in der Serie sind so relevant wie eh und je – Umweltschutz, Machtmissbrauch, Gleichberechtigung, Liebe, Zusammenhalt”, sagt Schauspielerin Herbig-Matten. Umso wichtiger ist es für die Hauptdarstellerin, “davon in den unterschiedlichsten Formen immer wieder neu zu erzählen und aufzuklären”. Passend und außergewöhnlich ist die Filmmusik von Hollywood-Komponist Hans Zimmer (“Rain Man”) und Aleksey Igudesman.

Eine Botschaft von “Schwarzes Gold” ist sicher, dass es zu jeder Zeit starke Frauen gegeben hat, die etwas in Bewegung gesetzt haben. Darüber hinaus zeigt die Serie für Näter, “dass das deutsche Fernsehen es mit Streamingdiensten aufnehmen kann, wenn die entsprechende Vision und der entsprechende Mut da ist.” Beides war für Näter auf Seiten der Produktion wie der Redaktion der Fall: “Da wurde viel riskiert, und das ist auf jeden Fall ein Gewinn fürs Publikum.