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Am Klimaschutz dranbleiben

Klimaschutz hat es schwer. Ein Grund nachzufragen: Wie steht es mit der Umsetzung des Klimaschutzgesetzes der Landeskirche Hannovers?

Mit eigenen Energiebeauftragten behalten Gemeinden den Überblick über ihren Energieverbauch.
Mit eigenen Energiebeauftragten behalten Gemeinden den Überblick über ihren Energieverbauch.epd bild/ Matthias Kindler

Bettina Siegmund blickt zufrieden auf den Klimaschutz in der Landeskirche Hannovers. „Wir sind insgesamt auf einem wirklich guten Weg“, bilanziert die Landessynodale und langjährige Vorsitzende des Umwelt- und Bauausschusses der Landeskirche Hannovers. „Viele Gemeinden machen mit. Und ich bin optimistisch, dass wir die 80 Prozent schaffen.“

Mit anderen Synodalen zusammen hat die promovierte Agrar-Ingenieurin aus Leer dafür gekämpft, dass die 27. Landessynode Ende 2023 ein ehrgeiziges Klimaschutzgesetz beschlossen hat, das den Kirchenkreisen und Gemeinden zwar viel Freiheit lasse, aber im Ziel doch eindeutig sei: Bis 2035 sollen die Treibhausgase um 80 Prozent reduziert und schließlich bis 2045 eine Netto-Treibhausgasneutralität der Landeskirche erreicht werden.

Im Detail sieht Bettina Siegmund allerdings noch Nachholbedarf. Seit Ende 2024 hätten einige Kirchenkreise noch immer kein Klimaschutzkonzept erstellt, das den genauen Weg zur Einsparung des Kohlendioxids beschreiben soll, kritisiert die 62-jährige Kirchenfrau. Es gehe dabei um Energie- und Mobilitätsmanagement sowie um die nachhaltige Bewirtschaftung von Kirchenland und regional erzeugten Strom. „Wir sind zu perfektionistisch und reden gerne über Probleme. Aber wir müssen einfach Mut haben und ins Tun kommen“, fordert Siegmund. Außerdem fehle es in manchen Kirchenkreisen an guter Vernetzung und Wissenstransfer zum Klimaschutz.

„Klimaschutz lohnt sich auch finanziell“

Dass manche Gemeinden angesichts des Klimaschutzes überfordert seien, sagt Christine Lührs, die sich im Kirchenvorstand der Gemeinde Rehden und im Diepholzer Kirchenkreisvorstand engagiert. „Es liegen so viele Themen an, dass der Klimaschutz dabei auf der Strecke bleibt“, sagt die Bäuerin. Klimaschutz sei wichtig, aber gleichzeitig müssten sich Gemeinden auch um Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt kümmern, um Regionalisierung, Gebäudemanagement und Friedhöfe. Lührs wünscht sich deshalb mehr praktische Beratung von der Evangelischen Agentur. Dazu müsse es auch die nötige Kapazität geben.

Ansprechpartner und Erfahrungsaustausch sind nach Meinung von Bettina Siegmund der Schlüssel zum Erfolg. Schon ein „Runder Tisch“ im Kirchenkreis, wo gute Tipps etwa für den Heizungstausch weitergegeben werden, könnte helfen. Den Gemeinden könnten auch Energieberater aus der Privatwirtschaft zur Seite stehen, ergänzt Siegmund. „Sie kommen in die Gemeinde, sehen sich alles an und setzen Prioritäten. Das ist unglaublich hilfreich.“ Außerdem sollten Gemeinden einen eigenen Bau- und Energiebeauftragten benennen, der die Verbrauchsstände abliest. Die Arbeit sei überschaubar, betont Siegmund. „Aber am Ende lohnt es sich. Es geht schließlich auch um euer Portemonnaie.“