Zum Pilgern muss es nicht unbedingt der 783 Kilometer lange Jakobsweg sein. Das geht auch kürzer und sogar in einer Großstadt wie Hamburg. So beginnt der Pilgerweg des Hamburger Sport-Vereins (HSV) im Hafen und endet logischerweise am Volksparkstadion, der HSV-Heimspielstätte. Er ist der erste Fußball-Pilgerweg Deutschlands.
Die Route führt vom Hafen vorbei an historischen Orten mit HSV-Bezug bis zum Volksparkstadion. Anna Stöcken hatte während der Corona-Zeit die Idee für den besonderen Pilgerweg. „Viele Menschen haben 2020 Spazierengehen und Wandern für sich entdeckt, da ist es zum Pilgern ja nur ein kleiner Schritt“, sagt die 36-jährige Lehrerin. Sie plante die Route, fand 17 Stationen in der Stadt. Exakt 18,87 Kilometer lang ist der Weg, keinen Meter länger. Das hat seinen Grund: „1887 ist das Gründungsjahr des HSV“, sagt Stöcken, die die Länge genau ausgetüftelt hat.
HSV-Pilgerweg: Blaue Aufkleber an der Strecke
Für den Pilgerweg hat sie eine Faltkarte entwickelt, die in die Hosentasche passt und auch die Stationen kurz erklärt. Hunderte Karten sind bereits verteilt. Zur Orientierung gibt es blaue Pilger-Aufkleber an der Strecke. Wer will, kann sich auch via Smartphone-App über einzelne Stationen informieren.
Schon seit 20 Jahren engagiert sich Stöcken ehrenamtlich für den Verein und kennt sich bestens in der Geschichte aus, weil sie im Museum ausgeholfen hat. Sie gründete mit anderen den HSV-Chor und kümmert sich seit 2022 um Touren auf dem HSV-Pilgerweg. Stöcken: „Für mich sind der HSV und die Menschen dahinter wie eine zweite Familie.“
Trotzdem sei sie kein „verrückter Fan“, sagt sie und lacht. Mit dem HSV-Weg will sie Menschen das Pilgern näher bringen. „Jeder sollte es mal ausprobieren“, findet Stöcken, die schon mehrfach in Spanien auf dem Jakobsweg unterwegs war. „Es tut so gut. Ich mag es, ein Ziel zu haben, einfach auf dem Weg zu sein, für mich zu sein.“ Und doch gehöre man gleichzeitig zu einer Gemeinschaft.
Anna Stöcken: Pilgern ist gut für die Seele
Pilgern sei gut für die Seele, findet die Lehrerin. Fußball und Pilgern gehören für Stöcken „irgendwie“ zusammen. Menschen pilgern zum Stadion oder zum Gottesdienst. „Man trifft auf Gleichgesinnte und bildet eine Gemeinschaft auf Zeit“, findet Stöcken. Während für die einen der HSV-Pilgerweg eine Herausforderung sei, ist er für andere ein Event, gesunde Bewegung oder einfach die Chance, mal zur Besinnung zu kommen.
„Auch Nicht-Fußballfans können die Stadt einmal von einer anderen Seite kennenlernen und erleben“, findet Stöcken. Die Stationen führen von den Landungsbrücken, über den Kiez, das Rathaus, das Stadion Hoheluft bis zum Volksparkstadion. Etwa fünf bis sechs Stunden Zeit braucht es für den Weg. Mit ihrer Freundin dauert es allerdings länger, weiß Stöcken: „Wir machen einfach viele nette Pausen.“