Vorher noch auf der Kanzel, jetzt auf der Showbühne: Im vergangenen Jahr hatte Gérôme Kostropetsch seinen ersten großen Auftritt als neuer Karnevalspräsident des Lenzener Carnevals-Club (LCC) „Blau-Weiß“ in dem kleinen Ort Lenzen, in der westlichen Prignitz. Auftritte vor größerem Publikum sind für den 34-Jährigen keine Seltenheit: Im Hauptberuf ist er evangelischer Pfarrer in Lenzen, predigt regel-mäßig vor vielen Menschen.
Dass er aber einmal nicht nur eine Gemeinde, sondern auch den Karnevalsverein leiten würde, das hat sich Kostropetsch bei seinem Umzug in die Kleinstadt an der Elbe vor fünf Jahren nicht träumen lassen. „Als Berliner hat man mit dem Karneval nicht wirklich Berührungspunkte“, erzählt er. „Bevor ich Karneval kannte, habe ich immer gedacht: O Gott, was ist das denn?“ Doch während seines Vikariats in Berlin hatte er eine Mentorin, die aus dem Rheinland kam – der Karnevalshochburg schlechthin in Deutschland. „Die hat das sehr gelebt und mich in diese Spur mit hineingenommen.“
Pfarrer und Karnevalspräsident: Gérôme Kostropetsch mit Doppelrolle
Als er Ende 2018 erstmals Lenzen besucht hat, sah er im Bus eine Werbung für den örtlichen Karnevalsverein – und fand das interessant, dort aktiv mitzuarbeiten. Als er frisch vor Ort war, wurde er bei einem Büttenabend direkt vereinnahmt. Im gleichen Jahr wurde er aktives Mitglied im LCC, in der nächsten Saison stand er sofort auf der Bühne. „Als Kind war ich in der Theater-Arbeitsgemeinschaft“ Dann kam die Anfrage, ob er Nachfolger des bisherigen Präsidenten werden wolle, der das Amt nach über 20 Jahren abgeben wollte. Für eine Kleinstadt ist das eher ungewöhnlich, dass einem Zugezogenen bereits nach so wenigen Jahren ein herausragendes Amt angetragen wird. „Dass das akzeptiert wird, liegt auch daran, dass ich hier sehr schnell aufgenommen wurde und mich bei den Leuten vorgestellt habe.“Bedenken ob der Doppelrolle als Ortspfarrer und Karnevalspräsident sah Gérôme Kostropetsch vor allem in zeitlicher Hinsicht. „Das Gute war, dass wir Sachen verteilt haben, so dass ich das zeitlich hinkriege.“ Ansonsten sieht er zwischen beiden Ämtern keinen großen Widerspruch. „Ich handle ja nicht gegen die Botschaft der Bibel. Im besten Falle tue ich niemandem weh.“ Zwar habe es vereinzelt auch kritische Stimmen gegeben, aber die meisten Leute würden sein Engagement mittragen. „Ich kann mich auf den Kopf stellen, die einen finden es gut, die anderen nicht.“Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
