Eine Analyse der von Friedrich Hölderlin (1770-1843) verwendeten Tinte ermöglicht Forschern neue Einblicke in sein spätes Werk. Mit einem speziellen Verfahren können Handschriften des Dichters nun genauer datiert werden, wie die Württembergische Landesbibliothek am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Dadurch lasse sich unterscheiden, ob ein Text vor oder nach Juni 1804 entstanden ist.
Bisher stützte sich die Forschung hauptsächlich auf die Analyse von Papier, Stil und Inhalt, um die Entstehungszeit der zu großen Teilen handschriftlich überlieferten Gedichte zu bestimmen. Die Tinte wurde dabei lange nicht berücksichtigt. Ein neues Projekt hat diese Lücke der Mitteilung zufolge geschlossen. Forscher nutzten die Röntgenfluoreszenzanalyse, um die chemische Zusammensetzung der Eisengallustinte zu untersuchen, ohne die wertvollen Manuskripte zu beschädigen.
Die Untersuchung erzeugt einen chemischen Fingerabdruck der Tinte. Dabei zeigte sich ein klarer Unterschied zwischen der Tinte, die Hölderlin in Nürtingen benutzte, und jener, die er nach seinem Umzug nach Homburg im Juni 1804 verwendete. Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart, die den Großteil von Hölderlins Handschriften besitzt, stellte die Originale für die Untersuchung zur Verfügung. Koordiniert wurde das Projekt vom Hölderlin-Archiv. Die vollständigen Ergebnisse der Untersuchung werden im Februar im Hölderlin-Jahrbuch veröffentlicht. (0210/27.01.2026)