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St. Jacobi-Kirchturm muss zurückgebaut werden

Der Turmhelm der evangelischen Hamburger Hauptkirche St. Jacobi muss als Teil der Generalsanierung der Kirche zurückgebaut werden. Die Maßnahme soll die mittelalterliche Bausubstanz des Gebäudes langfristig schützen und erhalten, teilte Hauptpastor Stefan Holtmann am Freitag mit. „Die Entscheidung war schmerzhaft und schwierig für uns“, sagte Holtmann.

Der Rückbau des vor 64 Jahren errichteten Turmhelms sei jedoch notwendig, da die Belastung des mittelalterlichen Mauerwerks auf Dauer zu groß werden würde. „Die große Last, die der Turmschaft trägt, war in der Geschichte der St. Jacobi-Kirche immer wieder Thema. Es gab Rissbewegungen, Pfeiler mussten mehrfach verstärkt werden“, sagte Mirja Grosskinsky, Leiterin der Bauabteilung im Kirchenkreis Hamburg-Ost.

Auch in bereits vor 12 Jahren sanierten Turmabschnitten seien erneut Haarrisse bemerkt worden. Durch den Rückbau des Turmhelms würde der Schaft um rund 2.500 Tonnen entlastet. „Der Turm macht uns schon lange Sorgen. Unser Ziel war es, eine dauerhafte Lösung zu finden“, erklärte Holtmann.

Der Rückbau des Turmhelms erfolgt als Teil der Generalsanierung der Hamburger Hauptkirche. Der Bund und die Stadt Hamburg stellen dafür jeweils 20 Millionen Euro bereit. Die erste Phase der Generalsanierung begann im Jahr 2023 und besteht aus der Erstellung eines Sanierungskonzepts. Ende 2024 wurden bereits vorgezogene Baumaßnahmen am Turm und eine Schließung der Kirche notwendig, um das Turmmauerwerk statisch zu entlasten. Die zweite Phase der Generalsanierung soll mit den Baumaßnahmen im Jahr 2028 beginnen. Auch der Rückbau des Turmhelms sei für diesen Zeitraum angesetzt.

„Die Generalsanierung besteht aus unterschiedlichen komplexen Teilprojekten“, erklärte Grosskinsky. Sie würde unter anderem Brandschutzmaßnahmen, die Restaurierung der historischen Fenster und die Beleuchtung des Kirchenschiffs beinhalten. „Durch den Rückbau des Turms soll die Erhaltung des Kirchenraums möglich gemacht werden. Das ist natürlich ein emotionales Thema, ist aber gleichzeitig eine Entscheidung der Vernunft“, sagte Holtmann.

Die Geschichte des Jacobi-Kirchturms sei von Bau- und Rückbaumaßnahmen geprägt. Zunächst ohne Turmhelm erbaut, musste der im späten Mittelalter hinzugefügte erste Helm im Jahr 1810 wieder heruntergenommen werden. Ein zweiter Turmhelm aus Holz ist dann im Juni 1944 während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. „Deshalb steht der heutige Turmhelm auch für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und ist ein historisches Zeugnis dieser Zeit“, sagte Holtmann.

„Der Rückbau bedeutet natürlich einen erheblichen Eingriff in das Bild der Kirche und auch der Stadtsilhouette Hamburgs“, sagte Nils Meyer vom Denkmalschutzamt Hamburg. Trotzdem sei er notwendig: „Der Fokus der Generalsanierung liegt ganz klar auf dem Erhalt und der Instandsetzung der historischen Substanz der Kirche.“ Genauere Informationen zu Kosten und Dauer der Maßnahmen seien noch nicht bekannt, die Öffentlichkeit würde informiert, kündigte Holtmann an.