Rassismus steckt tief in unseren Köpfen

Wer sich am Weiß-Sein orientiert, labelt Menschen mit dunkler Hautfarbe als anders und schließt sie aus. Das ist Rassismus, der tief in unseren Köpfen steckt. Ein Kommentar von Angela Wolf.
Rassismus steckt tief in unseren Köpfen
Rassismus ist ein tiefsitzendes Problem unserer Gesellschaft
Markus Winkler on Unsplash

Sehr viele Menschen erfahren gesellschaftliche Diskriminierung. Weil sie Frauen sind, weil sie eine Behinderung haben, weil sie schwul, lesbisch oder trans sind, weil sie alt sind oder arm. Eine besonders perfide Form von Diskriminierung ist allerdings der Rassismus. Sozial konstruiert und in der Kolonialzeit als „Rassenlehre“ systematisiert, ist Rassismus hochproblematisch und menschenverachtend.

Ohne Rassismuserfahrung kein Bewusstsein

Weiße Menschen wissen in der Regel nicht, welche Privilegien sie haben, wie sie sogar hin und wieder von Rassismus profitieren. Diejenigen, die keine Rassismus­erfahrungen machen, sind sich des Problems überhaupt nicht bewusst. Auch dann nicht, wenn sie sich selbst rassistisch verhalten. Und das passiert sehr oft. Studien bestätigen immer wieder, dass rassistisches Denken noch tief in unseren Köpfen steckt, weil wir alle rassistisch sozialisiert sind.

Rassismus: Weiß-Sein ist normal

Die US-amerikanische Sozialwissenschaftlerin Robin DiAngelo hat darüber geforscht, was es bedeutet, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen, die das Weiß-Sein zur Norm erklärt. Es bedeutet nämlich zum Beispiel, dass wir schlicht keine Erfahrung darin haben, Menschen wirklich als Gleiche zu betrachten. Niemand kann von sich behaupten, keine rassistischen Gedanken zu haben. Wir alle wachsen von klein auf mit rassistischen Vorurteilen auf.

Wer selbst weiß ist, kann nicht nachvollziehen, wie sich Nicht-Weiße aktuell in Deutschland fühlen. Die Debatten um Rassismus innerhalb unserer Gesellschaft nehmen die, die nicht davon betroffen sind, meist als übertrieben und unnötig wahr. Dabei ist Rassismus mehr als offensichtliche Gewalt, Beleidigungen, offene Anfeindungen – das ist nur eine (radikale) Ausprägung von Rassismus.

Mittelalte blonde Frau mit zurück gestylten Haaren und einer Brille sowie einer weißen Bluse
Unsere Autorin Angela Wolf
Studioline

Viel häufiger ist der subtile Alltags-Rassismus. Etwa, wenn sich jemand in der Bahn von einer Frau mit Kopftuch wegsetzt. Oder der Türsteher im Club denjenigen den Eintritt verwehrt, die als nicht-deutsch wahrgenommen werden. Oder eine schwarze Person unvermittelt gefragt wird, woher sie eigentlich ursprünglich kommt, obwohl sie beispielsweise in Köln geboren wurde. Diese Frage nach der Herkunft, allein wegen des Aussehens, vermittelt dem Gegenüber, dass er oder sie anders ist und aus diesem Grund nicht dazugehört.

Wer Rassismus – egal ob bewusst oder unbewusst – heute noch als „Ausländerfeindlichkeit“ abtut, hat definitiv den Kern des Problems nicht erfasst. Wir alle tun gut daran, unsere Aufmerksamkeit auf ein tiefsitzendes Problem in unserer Gesellschaft zu lenken: gelebter Rassismus.

Angela WolfA
Ein Beitrag von:

Angela Wolf

hat nach einer Ausbildung Soziologie, Politik und Psychoanalyse in Frankfurt am Main und Journalismus am Deutschen Journalisten Kolleg in Berlin studiert. Als Ehrenamtliche gründete sie ein Zeitungskollektiv in „ihrem“ Frankfurter Stadtteil und rutschte so in die evangelische Publizistik. Bis heute schreibt sie für das Evangelische Frankfurt und Offenbach, war Redakteurin bei der Evangelischen Sonntags-Zeitung und ist Stipendiatin von Journalismfund Europe, einer unabhängigen Stiftung für investigativen Journalismus. Seit Sommer 2024 ist sie Redakteurin bei der evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“ in Bielefeld. Seit 2025 gehört sie zudem zum Online-Redaktionsteam von evangelische-zeitung.de.

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