Eine große Wirkung hatte die kleine Schrift „Alle Theile des Feuerlöschwesens“ von Conrad Dietrich Magirus. Damit legte der Ulmer Kaufmann vor 175 Jahren den Grundstock für die modernen Feuerwehren. Auf 72 Seiten beschrieb Magirus 1850 die sinnvolle Organisation der Feuerwehr, die zweckmäßige Ausrüstung mit Helmen und Gurten, über 100 Zeichnungen zeigten alle erdenklichen Formen von Spritzen, Schläuchen und Leitern. Um Leben zu retten, empfahl Magirus drastische Maßnahmen: Wer bei Evakuierungen aus brennenden Stockwerken „noch allerlei Besorgnisse und Bitten“ äußert, solle „ohne Weiteres mit Gewalt“ in den Rettungsschlauch gesteckt werden.
Zur Feuerwehr war Magirus über die damals noch junge Turnerbewegung gekommen. Als „erster Turnwart“ in Ulm bildete er aus seinen Turnern eine „Steigerkompanie“, die mittels Leitern Menschen aus brennenden Häusern retten sollte. Für diese Aufgabe waren die trainierten und gelenkigen Turner in besonderer Weise geeignet.
Seine Ideen konnte Magirus ab 1853 als offizieller Kommandant der Ulmer Feuerwehr umsetzen. Um die einzelnen, völlig unterschiedlichen Ortsfeuerwehren zu vernetzen, initiierte er ebenfalls 1853 zusammen mit zehn württembergischen Feuerwehrkommandanten in Plochingen die erste „Allgemeine Deutsche Feuerwehrversammlung“.
Der von Magirus begründete Verein organisierte danach regelmäßige „Feuerwehrtage“, den ersten 1854 in Ulm. Zum 5. „Deutschen Feuerwehrtag“ in Augsburg kamen bereits 2.000 Teilnehmer aus 135 Feuerwehren zusammen. Aus dieser Initiative ging auch der heutige Deutsche Feuerwehrverband (DFV) mit Sitz in Berlin hervor, der 1,3 Millionen Feuerwehrleute in über 16 Landesfeuerwehrverbänden umfasst. Magirus sei ein „Visionär gewesen, der seiner Zeit voranging“ und habe ein bis heute nachwirkendes Lebenswerk hinterlassen, beschreibt Silvia Oestreicher, Pressesprecherin des DFV, die Wirkung von Magirus.
Seine Visionen setzte Magirus ganz konkret bei der Konzeption und dem Bau von Feuerwehrgeräten ein. Deshalb stieg er auch nicht aktiv in das von seinem Vater geerbte Geschäft für Textilien und Schreibwaren in der Ulmer Innenstadt ein. Er verlegte sich stattdessen auf die Produktion von Feuerwehrpumpen und Leitern, anfangs als Teilhaber der Ulmer Firma Eberhardt, später in seiner eigenen Fabrik für „Feuerwehr-Requisiten“.
Sein Markenzeichen wurden vor allem fahrbare, freistehende und immer höhere Feuerwehrleitern. Mittels der „Schiebeleitern“ von Magirus, die mit Seilzügen ausgefahren wurden, konnten auch die 40 Meter hohen Wände des Ulmer Münsters gereinigt werden.
Das stetig wachsende Unternehmen übergab Conrad Dietrich Magirus seinen Söhnen Heinrich, Hermann und Otto. Am 26. Juni 1895 starb der Feuerwehrpionier mit 70 Jahren in seiner Geburtsstadt Ulm. Die Magirus GmbH produziert noch heute leistungsfähige Löschfahrzeuge und Brandschutztechnik, neben Ulm auch an Standorten in Frankreich, Italien und Österreich. (3304/19.12.2025)