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Magdeburg erinnert an Opfer von Krieg und Gewalt

Mit einem Schweigemarsch und einer Kranzniederlegung ist am Freitag auf dem Westfriedhof in Magdeburg an die Opfer des alliierten Luftangriffes vom 16. Januar 1945 erinnert worden. Neben Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) und Kirchenvertretern nahmen daran zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie Bürgerinnen und Bürger teil. Zeitgleich begann vor dem Magdeburger Dom eine Mahnwache gegen Extremismus und Terrorismus.

Ein Bündnis aus Vereinen, Kirchen und privaten Initiativen nutzte den Gedenktag zum Auftakt für die Aktionswoche „Eine Stadt für alle“. In den nächsten Tagen sind mehr als 50 Veranstaltungen geplant, darunter Lesungen, Konzerte, Filmabende und Vorträge. Es gehe darum, Gesicht zu zeigen gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.

Am Freitagabend war auf dem Alten Markt „Magdeburg singt für eine weltoffene Stadt“ mit tausenden Bürgerinnen und Bürgern geplant, um für Solidarität, Miteinander und Toleranz zu werben. Unterstützung beim Singen von Friedensliedern wie „Dona nobis pacem“, „We Shall Overcome“ oder „So this is Christmas“ boten zehn Magdeburger Chöre, die Band des Telemann-Konservatoriums und die Magdeburger Dombläser.

In Erinnerung an die Zerstörung der Stadt stand im Opernhaus traditionell die neunte Sinfonie Ludwig van Beethovens auf dem Programm. Die Evangelische Domgemeinde lud zudem zu einer ökumenischen Abendandacht mit Domprediger Jörg Uhle-Wettler und Kathedralpfarrer Daniel Rudloff in den Magdeburger Dom ein, um an die Opfer der Bombardierung zu erinnern und für Frieden zu beten. Und um 21.28 Uhr, dem Zeitpunkt der Bombardierung vor 81 Jahren, sollten stadtweit die Glocken vieler Kirchen läuten.

Das Gedenken wird am Samstag mit mehr als 30 angemeldeten Veranstaltungen fortgesetzt. Neben Mahnwachen, Friedenswegen und dem Singen von Friedensliedern stehen auch besondere Formate im Programm. So lädt die Katholische Erwachsenenbildung in Kooperation mit den städtischen Verkehrsbetrieben zu einer Bildungsfahrt in der Straßenbahn ein. Mit der „Hingucken, Denken und Einmischen-Tram“ gehe es zu Orten, „die in der Geschichte der Stadt für Vertreibung, Verfolgung, Zerstörung und Tatorte des Nationalsozialismus stehen – aber auch für Widerstand, Aufbau und Visionen“, sagte ein Sprecher.

Am Samstagnachmittag ist unter anderem ein interreligiöser Weg durch die Innenstadt geplant, organisiert vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der evangelischen Kirche. Die Teilnehmenden wollen mit Andachten und Gebeten an die Verantwortung aller Generationen für eine gewaltfreie Welt erinnern, gemeinsam Lieder singen und miteinander ins Gespräch kommen.

Da mehrere Demonstrationen und Gegenveranstaltungen am Samstag geplant sind, erwartet die Polizei für die Innenstadt und den Stadtteil Sudenburg zeitweilige Verkehrseinschränkungen, die auch den öffentlichen Personennahverkehr betreffen können.

Nach dem Bombenangriff vom 16. Januar kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges waren 90 Prozent der Magdeburger Innenstadt zerstört und annähernd 200.000 Menschen obdachlos. Mindestens 2.000 Menschen wurden dabei getötet.