Unter dem Motto „Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik“ beginnt am Aschermittwoch (5. März) die diesjährige evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. Das Motto setze ein Gegengewicht zu „atemlosen Zeiten“, sagt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister als Botschafter der Aktion. Er hofft, dass die Fastenzeit den Teilnehmenden viele neue Erkenntnisse für ihren Lebensalltag bringt.
epd: Herr Meister, worin besteht der Nutzen der Fastenzeit?
Ralf Meister: Die Fastenzeit erinnert zuerst an das Leiden und Sterben Jesu. Doch schon früh wurde diese Erinnerung zu einer bewussten, persönlichen Glaubenszeit, eine Unterbrechung. Es geht darum, sich bewusst mit dem eigenen Leben und seinem Verhältnis zu Gott zu beschäftigen. Der Verzicht auf bestimmte Speisen, Alkohol oder anderes vertieft die Frage: Was ist mir wichtig im Leben? Die Fastenzeit dauert 40 Tage und bietet somit die Möglichkeit, in vielen kleinen Schritten Haltungen und Gewohnheiten zu überprüfen und vielleicht auch grundsätzlich zu ändern.
epd: Wie hilft dabei, dass das diesjährige Motto, das die Menschen auffordert, Luft zu holen?
Meister: Ohne Luft zu holen, lebt kein Mensch. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel wird erzählt, dass Gott den Menschen mit dem Atem belebte, als er ihn schuf. Luft holen bestimmt unser Leben. Bewusst zu atmen führt dazu, dass wir uns konzentrieren auf den Körper, gibt ihm einen Rhythmus. „Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik“ will Anreize geben, im Überfluss der Kommunikation und der Kurzatmigkeit des Lebens einmal anzuhalten. Die Konzentration auf den Atem schafft Raum für Leib und Seele, um zwischen dem Wichtigen und Unwichtigen im Leben zu unterscheiden. Zudem hilft sie, besonnen über die Dinge nachzudenken, die mir bedrohlich erscheinen, die mir Angst machen. Nur ein Bruchteil von dem, was ich durch die Dauerkommunikation aufnehme, ist wichtig für mich.
epd: Entschleunigung soll also Probleme lösen?