Die Leiterin des Europäischen Hansemuseums in Lübeck, Felicia Sternfeld, sieht in Museen wichtige „Orte der wehrhaften Demokratie“. In Anspielung an das Erstarken rechtsextremer Kräfte in Deutschland erklärte die Historikerin am Dienstag in Lübeck: „Dieses Thema wird uns künftig leider weiter beschäftigen. Und gerade als historisches Museum haben wir eine besonders große Verantwortung, unsere demokratische Haltung jenseits von parteipolitischen Positionen weiterzuentwickeln.“ Das Museum arbeite unter anderem gerade an einem weiteren Planspiel zu Demokratie und politischer Entscheidungsfindung.
In ihrer Bilanz blickte Sternfeld auf ein erfolgreiches Jahr für das Europäische Hansemuseum zurück, das seine Besuchszahlen nach der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr weiter steigern konnte. Rund 107.000 Menschen zog es in das Museum an der Untertrave und damit 9.000 mehr als 2024. Die Veranstaltungen rund um das zehnjährige Bestehen des Museums im vergangenen Jahr hätten daran großen Anteil gehabt, ist sich Sternfeld sicher. Auch in der digitalen Reichweite legte das Haus weiter zu. Mehr als zwei Millionen Besuche registrierte das Team auf seinen Social-Media-Kanälen, eine Steigerung zum Vorjahr von knapp 80 Prozent.
Publikumsmagnet soll im Herbst eine Sonderausstellung im Burgkloster werden, die in einem völlig neuen Ausstellungsformat daherkommt. Die Schau „Let’s play Mittelalter“ mit Escape-Room-Charakter hinterfrage Klischees rund ums Mittelalter, erklärte Ausstellungskuratorin Franziska Evers. Dabei nimmt die Ausstellung, die am 9. Oktober startet, beliebte Videospiele der Gaming-Szene unter die Lupe, zu der etwa „Pentiment“ und „The Witcher“ gehören.
Die Besucherinnen und Besucher tauchen in eine Gaming-Welt ein, aus der sie sich, so der spielerische Auftrag, wieder befreien müssen. Sie bewegen sich mit Kopfhörern und einem smarten Armband durch die Ausstellung, um an verschiedenen Stationen Rätsel zu lösen oder digitale, aber auch analoge Spiele zu spielen.
Viele Hersteller von Videospielen würden für sich beanspruchen, in ihren Spielen die Realität des Mittelalters darzustellen, erklärte Evers. „Das ist aber oft nicht der Fall. Mit der Schau wollen wir diese Aussagen kritisch hinterfragen.“
Die Schau richte sich vornehmlich an Erwachsene, und zwar sowohl an Gaming-Fans als auch an Geschichtsinteressierte, erklärte Evers. Grundsätzlich sei sie aber auch für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet.
Mit einer zweiten Sonderausstellung nimmt das Museum ab 18. Mai ein bedeutendes Jahr der Lübecker Stadtgeschichte in den Fokus. 1226 wurde Lübeck zur freien Reichsstadt erhoben, was die Stadtentwicklung über Jahrhunderte hinweg politisch, wirtschaftlich und kulturell prägte. Die Schau „Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit“ wird vom Archiv der Hansestadt kuratiert und präsentiert etwa zwölf Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart.
Das 2015 eröffnete Europäische Hansemuseum gibt Einblick in die 600 Jahre alte Geschichte des mittelalterlichen Städtebundes und seinen Einfluss bis heute. Zu besichtigen sind etwa eine nachgebaute Verkaufshalle in Brügge (Belgien), ein Umschlagplatz für Stockfisch in Bergen (Norwegen) und die Handelsniederlassung der Hanse im 15. Jahrhundert in London (Großbritannien).