Für viele ist es das Ende einer traumatischen Zeit: Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel um die Entführten der Hamas-Terroristen gebangt und nach sterblichen Überresten der Ermordeten gesucht. Der letzte war Ran Gvili.
Mit dem Polizisten Ran Gvili ist am Mittwoch die letzte der von der Hamas am 7. Oktober 2023 verschleppten und getöteten Geiseln in Israel beigesetzt worden. Zu der Trauerfeier im südisraelischen Meitar, dem Heimatort Gvilis, kamen neben Staatspräsident Jitzchak Herzog und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weitere Regierungsvertreter und Abgeordnete, ehemalige Verteidigungsminister sowie der sephardische Oberrabbiner in Israel, David Yosef.
Netanjahu rühmte Gvili als Helden, der bis zur letzten Kugel gekämpft und “14 verfluchte Terroristen getötet” habe. Israel habe nun alle seine Bürger “aus Feindesland” nach Hause geholt, so der Regierungschef. Das sei aber nicht das Ende des Kampfes. Dieser werde erst mit dem Sieg über die Hamas enden.
Netanjahu kündigte die Gründung einer neuen Ortschaft östlich von Beerscheba an, die in Anspielung auf den Vornamen Gvilis “Renanim” (Jubel) heißen soll. Weiter soll ein Militärvorbereitungsprogramm nach dem Getöteten bennant werden.
An der Verabschiedung Gvilis nahmen Hunderte Bürger sowie ein großes Aufgebot der Polizei teil. Rans Mutter Talik Gvili sagte in ihrer Ansprache, ihr Sohn sei “zum Sohn aller geworden”. Man kenne ihn nicht mehr nur in Meitar, sondern auf der ganzen Welt. Talik Gvili rief ihre Landsleute auf, über internen Konflikten nicht zu vergessen, dass sie “ein starkes Volk” seien. Rans Bruder Omri sagte: “Der Schmerz ist enorm, aber der Stolz ist größer.”
Die Leiche Gvilis war nach 843 Tagen von der israelischen Armee in Gaza-Stadt aufgefunden und nach Israel gebracht worden. Der Polizist einer Spezialeinheit war bei dem Angriff der Hamas auf den Kibbutz Alumim im Kampf getötet worden. Israel bestätigte den Tod des 24-Jährigen im Januar 2024, nachdem zunächst Hoffnung bestanden hatte, dass er lebend entführt wurde.
Bei dem Überfall militanter Palästinenser auf mehrere israelische Orte und ein Musikfestival am 7. Oktober 2023 waren rund 1.200 Menschen getötet und 251 weitere lebendig oder tot in den Gazastreifen verschleppt worden. Die letzten lebenden Entführten waren nach Inkrafttreten des Waffenstillstands vergangenen Oktober nach 738 Tagen Geiselhaft nach Israel zurückgekehrt.
Am Dienstagnachmittag war um 17.35 Uhr Ortszeit in Tel Aviv die große Uhr auf dem als “Platz der Geiseln” bekannt gewordenen Museumsvorplatz im Stadtzentrum angehalten worden. Sie zählte 843 Tage, zwölf Stunden, fünf Minuten und 59 Sekunden seit dem Hamas-Angriff. Nach dem Auffinden von Gvilis Leichnam auf einem Friedhof im Osten von Gaza nahmen viele Israelis ihre Anstecker in Form einer gelben Schleife ab, die sie als Mahnung getragen hatten, die Verschleppten zurückzubringen.