Die Palliativstation der Bonner Uniklinik ist ein friedlicher Ort. Helle Räume, bunte Bilder an den Wänden und angenehme Ruhe. Dinge, die man auf einer Station für sterbende Menschen erwarten könnte. Eher unerwartet sind die beiden bunt gekleideten Männer, die vor einem Krankenbett stehen und munter die Melodie von Monty Pythons “Always Look on the Bright Side of Live” pfeifen. Unerwartet? Ja. Fehl am Platz? Nein. Denn die bunten Männer sind die Klinikclowns Robert und Danny. Sie stehen den Patienten hier als Humortherapeuten zur Seite.
Eigentlich verbindet man Klinikclowns eher mit Kinderstationen, auf denen sie mit roter Nase im Gesicht kleinen Patienten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Aber ein Spaßmacher für todkranke Menschen? Dafür hätten sich die Clowns erst durchsetzen müssen, sagen Robert, der im echten Leben Rainer Kreuz heißt, und Dominik Merscheid alias Danny.
Therapeutische Interaktion mit Patienten
“Zu Beginn mussten wir Patienten und Mitarbeitern erst mal beweisen, dass wir nicht das klassische Klischee eines Clowns erfüllen”, so Robert. Dazu gehöre der Verzicht auf die Clownsnase und albernes Auftreten. Auch das Wort Klinikclown fällt selten. Auf der Palliativstation gehe es um eine eher therapeutische Interaktion mit den Patienten – und vor allem um Sensibilität ihrer Situation gegenüber.
Beim Besuch auf der Bonner Station merkt man, wie feinfühlig die beiden bunten Gäste auftreten. In einem Zimmer stehen sie zusammen und singen eine “elvismäßige” Version des irischen Klassikers “Danny Boy”. Das hatte der Mann im Krankenbett sich beim letzten Besuch gewünscht. Heute kann er nicht mehr wirklich sprechen. So gut es geht, werden dennoch ein paar Worte gewechselt – und auch gesungen. Denn der Patientenwunsch geht bei den Humortherapeuten vor.
Angefangen hat die Clownerie auf der Palliativstation 2016. Der Gründer der Stiftung “Humor Hilft Heilen”, Eckart von Hirschhausen, und Lisa Linge-Dahl von der Bonner Station hatten damals die Idee, dass Humor auf sensible Art nicht nur in der Kinderklinik nützlich sein könnte. Stationsleiter Lukas Radbruch erinnert sich an die ersten Schritte der “humorvollen Begleiter”, wie er sie nennt. “Als sie hier angefangen haben, gab es auch viele vorsichtige Gesichtsausdrücke bei den Mitarbeitern. Manche fanden das einfach schräg.”

Nicht jede Art von Humor sei für jeden Patienten brauchbar. “Aber am Ende stirbt niemand 24 Stunden am Tag. Dazwischen wird auch mal gelacht.” Mittlerweile sieht er die Clowns als echte therapeutische Maßnahme.
Clowns-Besuche zeigen Wirkung
Auch im Stationsteam hätten sich Robert und Danny etabliert, so Radbruch. Sie erfüllten professionelle Standards zu Schweigepflicht, Hygiene und Betriebsabläufen, einschließlich ordentlicher Breefings vor jeder Schicht. Zudem habe das Projekt von Uniklinik und “Humor Hilft Heilen” auch wissenschaftlich bewiesen, dass die Clowns-Besuche Wirkung zeigen: “Dazu haben wir eine Studie bei 130 Patienten durchgeführt. Bei den Teilnehmern wurde deutlich, dass es ihnen nach dem Besuch der Humortherapeuten besser ging.”
Aber was tut ein Humortherapeut, wenn ein Patient oder Angehöriger ihn mal nicht sehen will? Dann braucht es immer Respekt vor der Situation, sind sich Robert und Danny einig. Dabei gehe es gerade bei Ablehnung auch darum, den Patienten ihren Freiraum und die Kontrolle zu lassen: “Am Ende ist auch ein Rausschmiss eine zwischenmenschliche Interaktion”, sagt Robert. Kein Patientengespräch sei wie das andere. Danny erinnert sich an einen jungen Mann, der die beiden Besucher vor die Tür gebeten hatte: “Dann haben wir auf dem Flur für andere Patienten Musik gemacht. Ein Pfleger hat sogar mitgesungen. Auf einmal ging die Tür auf und der junge Mann stand auf dem Flur, hat geklatscht und war begeistert.”
An alles denken, aber nicht an den Tod
Auch heute begrüßt sie eine Patientin, die beim vorherigen Besuch noch um ihre Ruhe gebeten hatte. Sie sollte am nächsten Tag in ein Hospiz auf dem Land kommen. “Hoffentlich gibt es dort keine Pferde. Von denen träume ich immer schlecht”, erklärt sie den Humortherapeuten. Zusammen mit Robert und Danny singt die ehemalige Chorsängerin daraufhin ein Lied über Pferde. Weiter geht es mit Liedern von früher, aus der Jugend und der Zeit im Chor. Die Stimmung ist gelöst. Wer die Clowns beobachtet, wie sie mit Kontrabass und Mini-Gitarre musizieren oder mit bunten Tüchern jonglieren, der denkt an alles, aber nicht an den Tod.