Warum ist die Kirchenpresse heute wichtiger denn je? Elke Rutzenhöfer, langjährige Geschäftsführerin des Wichern-Verlags erzählt im Interview mit Constance Bürger und Sibylle Sterzik, warum kirchliche Medien als Forum für Gläubige unverzichtbar bleiben und partizipative Führung der Schlüssel zum Erfolg ist. Zum 1. Januar ist sie in den Ruhestand gegangen.
Frau Rutzenhöfer, als Geschäftsführerin des Wichern-Verlags sind Sie auch für „die Kirche“ verantwortlich. Warum braucht es Kirchenpresse?
Elke Rutzenhöfer: Die Kirchenpresse hält das Kirchenvolk medial zusammen und ist ein wesentliches Bindeglied in der großen Landeskirchengemeinde. Sie bildet das Leben in Gemeinde und Diakonie ab – nicht nur aus Sicht der Leitenden. Die Kirchenzeitung ist Forum und fördert das Gespräch zwischen Kirchenleitenden und Gemeindegliedern. Sie spiegelt sozusagen das Priestertum aller Gläubigen. Dabei soll sie auch mal was Kritisches sagen dürfen – und das in aller Loyalität zur Kirche.
Wie schätzen Sie Situation der Kirchenpresse ein?
Wir tun alles, was wir können, damit die Kirchenpresse erhalten bleibt. Wir sind als Teil von der evangelische-zeitung.de GbR ins Onlinegeschäft eingestiegen und haben die überregionale Zusammenarbeit mit weiteren evangelischen Wochenzeitungen verstärkt. In dieser Allianz sind wir jetzt zu fünft. Wichtig bleibt dabei, die Regionalität zu wahren. In der Zusammenarbeit ist noch viel mehr möglich. Auch die Kooperation am neuen Evangelischen Gesangbuch hat den Vertretern der evangelischen Verlage noch einmal gezeigt, dass die Zukunft nur gemeinsam geht.
Die EKBO ist Hauptgesellschafterin des Wichern-Verlages. Welche Chance bietet ein eigener kirchlicher Verlag für eine Landeskirche?
Das zeigt sich aktuell beim neuen Evangelischen Gesangbuch. Da ging es zuletzt auch darum, in welchem Verlag es erscheinen wird. Nun wird es eine Verlagsgemeinschaft der evangelischen Verlage geben, die es publiziert. Wir weisen immer wieder daraufhin, neues geistliches Liedgut nicht an einen nicht-kirchlichen Verlag zu geben. So bleiben die später teuren Rechte „im Haus“. Außerdem sind kirchliche Verlage ein wichtiges Medium für Autoren in kirchlicher Verantwortung.
Die Förderung von Frauen lag Ihnen immer besonders am Herzen. Warum ist Ihnen das wichtig?
Nach meiner ersten Schwangerschaft konnte man sich in dem Verlag in Stuttgart, bei dem ich damals arbeitete, nicht vorstellen, dass ich weiterarbeiten wollen würde. Für mich war das selbstverständlich, aber ich hatte mit dem Rabenmutter-Gespenst zu kämpfen. Das geisterte damals in bürgerlichen Kreisen herum. Als Geschäftsführerin war für mich klar: Diese Verbiegungen junger Mütter, alles „irgendwie“ locker schaffen zu müssen – ohne dass es der Arbeitgeber merkt –, das soll es in meinem Verantwortungsbereich nicht mehr geben.
Welche Mission hat sich für Sie daraus ergeben?
Als ich in der Geschäftsführung anfing, waren die Führungsebenen in der Kirchenpresse fast ausschließlich männlich – das fand ich damals sehr merkwürdig. Diese vielen unsichtbaren Wände zu überwinden, auf die Frauen treffen, auch diese, die wir selbst in uns haben, weil wir uns bestimmte Sachen nicht zutrauen oder weil wir uns einschüchtern lassen, sind der Stachel, der mich bis heute antreibt. Irgendwann habe ich verstanden: Als Frau in einer Männerdomäne kann ich meine eigenen Maßstäbe setzen, denn die Maßstäbe der Männer gelten für mich nicht. Frauen müssen angstfreier werden.
Wie hat sich diese Einstellung auf Ihren Führungsstil ausgewirkt?
Mein Führungsstil ist partizipativ und auf Verantwortung ausgerichtet: Ich glaube, dass Mitarbeitende ihr Bestes geben wollen und versuche, das zu ermöglichen. Da habe ich Frauen in der Regel als umgänglicher erlebt, weil die Machtfrage nicht im Raum steht. Gute Führung bedeutet für mich, Verantwortung klar zu übernehmen, ohne mich ständig einzumischen.
Wie geht es nun weiter für den Wichern-Verlag?
Ab 1. Januar gibt es zwei Geschäftsführer im Nebenamt: Bernd Becker, Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Westfalen und Lippe (EPWL), und Matthias Gülzow, Geschäftsführer des Evangelischen Presseverbands Nord (EPN) und des christlichen „Radio Paradiso“. Sie verfolgen beide die Idee, dass die freie evangelische Publizistik enger zusammenrücken muss. Bei den Kirchenzeitungen und im Onlinebereich bei evangelische-zeitung.de funktioniert es ja schon sehr gut.
