Wer in diesen Tagen den Nachrichten folgt, mag den Mut verlieren: Kriege, Machtmissbrauch, Lügen, Verrohung – vieles wirkt wie eine endlose Abfolge schlechter Nachrichten. Muss das sein? Müssen Bildschirme und Lautsprecher ständig Bilder und Botschaften des Entsetzens bringen? „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, lautet ein alter, bitterer Spruch der Branche. Haben also die Medien Schuld?
Aber so einfach ist das nicht. Medien, also Zeitungen, TV, Radio und Online-Portale müssen berichten, wenn Dinge schief laufen oder gefährlich werden. Einordnen, benennen, auch das Schmerzhafte und Verstörende. Wegsehen hieße, dem Bösen freien Lauf zu lassen.
Doch der dauerhafte Blick in den Abgrund hat seinen Preis. Er macht müde, stumpf, hilflos. Wenn man ständig erlebt, wie Grenzüberschreitungen folgenlos bleiben, wie Regeln, Anstand und Gesetze außer Kraft gesetzt werden, wie Lügen im Sekundentakt die Wahrheit zersetzen – dann droht Resignation. Dann wankt das Vertrauen – in Politik, in Öffentlichkeit, auch in Medien. In Verlässlichkeit überhaupt.
Hoffnung hält Menschlichkeit und Würde lebendig
Christinnen und Christen sprechen in solchen Lagen – und solche Lagen haben sie ein ums andere Mal erlebt – von Hoffnung. Das ist kein billiger Trost. Hoffnung ist Widerstand. Eine bewusste Gegenkraft gegen das, was Menschen entmutigt und entmenschlicht. Kerzen, Gebete, Worte und Taten des Mitgefühls und der Nächstenliebe verändern keine Schlagzeilen. Sie sprengen keinen Beton. Aber sie halten etwas lebendig, das sonst verloren ginge: Menschlichkeit, Orientierung, Würde.
Aus dieser Haltung heraus arbeiten auch wir, die evangelische Publizistik. Nicht, um die Welt schönzureden oder sich als moralisch überlegen darzustellen. Sondern um dem Evangelium eine Stimme zu geben. Um einzuordnen, zu widersprechen, Hoffnung zu nähren, wo Angst übermächtig wird. Evangelium. Das heißt wörtlich übersetzt: die gute Nachricht.

Schlechte Nachrichten werden auch wir in Zukunft nicht vermeiden können. Aber wir wollen ihnen die gute Nachricht entgegenstellen. Denn die erinnert daran, dass Dunkelheit nie das letzte Wort behält. Das ist kein Rezept zur Weltverbesserung. Aber ein Grund, nicht zu verzweifeln – und dem Dunkel, so gut wir können, etwas entgegenzusetzen.
