Bankchef, Ministerpräsident, Euro-Retter: Mario Draghi hat sich um die Stabilität der EU verdient gemacht. Dafür wird er nun mit dem Karlspreis geehrt. Besonders gewürdigt werden seine Visionen für Europa.
Mario Draghi, früherer Ministerpräsident von Italien und Präsident der Europäischen Zentralbank, erhält den diesjährigen Internationalen Karlspreis, der am 14. Mai verliehen wird. Draghi sei “Wissenschaftler und Manager”, erklärte der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Armin Laschet, am Wochenende in Aachen: “Er hat Europäische Visionen entwickelt.” Zudem sei die Rettung des Euro sein Lebenswerk. Draghi selbst appellierte an die Europäer, enger zusammenzustehen.
Besonders hervor hob Laschet den vom Ökonomen veröffentlichten Draghi-Report. Der Bericht wurde im September 2024 veröffentlicht und schlägt eine Agenda für Wettbewerbsfähigkeit vor. Um mit den USA und China konkurrieren zu können, braucht es laut Bericht eine jährliche Investition von 750 bis 800 Milliarden Euro. Draghis Plan schaffe eine Strategie für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas, würdigte das Karlspreis-Direktorium. Der Bericht soll demnach auch bei einem EU-Sondergipfel im Februar Thema sein. Laschet forderte die EU-Regierungschefs auf, die Empfehlungen aus dem Report umzusetzen.
Draghi (78) war von Februar 2021 bis Oktober 2022 Ministerpräsident Italiens. Von 2011 bis 2019 stand er als Präsident der Europäischen Zentralbank vor.
Draghi vereine als Preisträger eine Lebensleistung und eine Vision für die Zukunft, betonte Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU). Draghis Vision sei gerade auch für junge Menschen wegweisend, da sie für ein Europa stünden, “in dem sie Möglichkeiten haben, sich frei zu entfalten”.
In einer Videobotschaft bedankte sich Draghi für die Auszeichnung beim Karlspreis-Direktorium. Europa habe aktuell “so viele Feinde wie vielleicht noch nie”, sagte der Preisträger. “Wir Europäer müssen deshalb so eng zusammenstehen wie niemals zuvor.” Europa müsse militärisch, wirtschaftlich und politisch stärker werden. “Wir werden unsere Union bewahren, wir werden unser Europa bewahren.” Den Preis wird Draghi voraussichtlich am 14. Mai (Christi Himmelfahrt) persönlich in Aachen entgegennehmen.
Laschet sprach angesichts der sich überlagernden geopolitischen Krisen von einer dramatischen Lage in Europa. Der Kontinent dürfe “nicht zum Spielball externer Mächte werden”. Der CDU-Politiker mahnte Handlungsfähigkeit zur Überwindung der Krise an. Dazu brauche es nicht nur Verteidigungsfähigkeit sondern auch wirtschaftliche Stärke. “Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit Europas ist die entscheidende Frage in diesem Jahr 2026”, sagte Laschet. “Wir sind nur stark, weil wir den Binnenmarkt und die gemeinsame Währung haben.”
Der jährlich in Aachen verliehene Internationale Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Ehrungen. Der Preis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Namensgeber ist Kaiser Karl der Große (748-814). Zu den bisherigen Preisträgern gehören Angela Merkel, Papst Franziskus und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Mit einer Million Euro Preisgeld ist er seit dem vergangenen Jahr der höchstdotierte Preis in Europa.