Kardinal Reinhard Marx fordert mehr Einsatz für ein Europa jenseits von Wohlstand und Profit. Bei einder Preisverleihung in München warb der Erzbischof für Hoffnung, Werte und die Seele Europas.
Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx wirbt für ein Europa jenseits wirtschaftlicher Interessen. “Europas Wohlstand verteidigen wir nur, wenn wir eine Vision haben, die über Wohlstand hinausgeht”, sagte er laut seiner Pressestelle am Dienstagabend in München. Marx äußerte sich bei der Verleihung des Ordo-Socialis-Preises an die Präsidentin des Deutsch-Französischen Instituts, Sylvie Goulard.
Die Vision des Westens dürfe nicht nur im Profit bestehen, mahnte der Erzbischof demnach. Vielmehr sei Europa auch ein Projekt der Kirche: “Die Stimme des Evangeliums gehört dazu; ohne sie würde der Seele Europas etwas fehlen.” Dabei gehe es nicht darum, ob jemand Christ sei oder nicht. “Alle Menschen sind Schwestern und Brüder; alle sind Bilder Gottes.”
Christen müssten Hoffnung geben, betonte der Kardinal. “Wir dürfen nicht aufgeben! Ich erlebe zu viel Resignation. Wir gehen nicht unter. Wir gehen nur unter, wenn wir uns nicht für unsere Ideen und Visionen engagieren.” Häufig werde zu negativ über die EU gesprochen. Dabei hätten alle Länder, die ihr beigetreten sind, wirtschaftlich und politisch einen Schritt nach vorn gemacht.
Der Ordo-Socialis-Preis wird alle zwei Jahre von der Vereinigung “Ordo Socialis – Wissenschaftliche Vereinigung zur Förderung der Christlichen Gesellschaftslehre” vergeben. Ausgezeichnet werden damit Persönlichkeiten, die sich für die Verbreitung und Verwirklichung wichtiger Themen der christlichen Soziallehre einsetzen oder eingesetzt haben. Dazu können laut Angaben herausragende sozialwissenschaftliche Arbeiten, ein vorbildhaftes soziales Engagement, ein Lebenswerk und der selbstlose Einsatz für die soziale Gerechtigkeit gehören.