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“Hier und Jetzt”: Museum Ludwig zeigt amerikanische Gegenwartskunst

Das Museum Ludwig in Köln widmet zwei zentralen Vertreterinnen US-amerikanischer Gegenwartskunst eine Ausstellung. Unter der Überschrift „Hier und Jetzt – De/Collecting Memories from Turtle Island“ sind Installationen und Fotokunst von Marie Watt und Wendy Red Star zu sehen, wie das Museum am Mittwoch ankündigte. Vom 7. Februar bis 8. November lade die Schau dazu ein, Erinnerungen und gesammelte Bilder zu überdenken und zu überschreiben.

Die fotografischen Selbstinszenierungen von Wendy Red Star, geboren 1981, greifen den Ausstellungsmachern zufolge auf humorvoll-satirische Weise westliche Vorstellungen von Indigenität auf und laden dazu ein, differenzierter hinzuschauen. Red Star gehört zum Stamm oder der sogenannten First Nation der Apsáalooke. Ihre Kunst sei tief in der Geschichte der Apsáalooke verwurzelt, erklärte Red Star. Aber im Museum fungiere die Zuschreibung „Native Artist“ nicht mehr als Beschreibung, „es wird zur Schublade“, kritisierte sie. Die Kategorie Native Artist verändere das Kunstwerk, noch bevor jemand es zu Gesicht bekomme.

Ausgangspunkt der Kölner Ausstellung ist ein 2024 vom Museum Ludwig erworbenes Foto-Konvolut der Detroit Publishing Company. Viele der um 1900 produzierten bunten Bilder gehen auf frühe Schwarz-Weiß-Fotografien zurück, oft die ersten Fotografien aus Gegenden, die heute als touristische Attraktionen bekannt sind wie der Yellowstone Nationalpark oder der Grand Canyon. Die Ausstellung setze da an, wo die Postkartenmotive endeten, hieß es. Die vermeintlich unberührte Natur sei Heimat von Nationen gewesen, lange bevor die ersten Europäer kamen.

Die Künstlerin Marie Watt wurde 1967 in Seattle geboren und ist Mitglied der Seneca Nation. In einigen indigenen Traditionen heißen die Gegenden Amerikas oder auch die Welt als Ganzes Turtle Island (Schildkröteninsel). Schöpfungsgeschichten werden von Generation zu Generation mündlich überliefert. Watt hat für die Ausstellung im Museum Ludwig eine neue raumgreifende Arbeit aus Skulpturen aus Zinnschellen entwickelt, „eine Hommage an den Jingle-Dress-Tanz, der um 1900, während der Grippepandemie, als Heilungsritual bei den Ojibwe entstand“. Im Jahr 1883 verboten die Vereinigten Staaten traditionelle Versammlungen indigener Gemeinschaften. Für die Ausstellung wird Watt mit der Jingle-Dress-Tänzerin Acosia Red Elk zusammenarbeiten. Sie ist Angehörige der Umatilla aus Oregon.