Kaum wachte ich am Neujahrsmorgen auf, musste ich husten. Nicht schon wieder, dachte ich. Ein dritter Infekt innerhalb weniger Wochen. Das neue Jahr begann so, wie sich der Advent angefühlt hatte, nämlich verkorkst. Mit Tee und Taschentüchern, vielen Vorhaben, aber wenig Energie.
Frische Luft war das, was meinen Atemwegen guttat. Also ging ich raus, ging spazieren durch die verschneiten Straßen meiner Stadt. Die vereisten Gehwege verlangten von mir das, was Körper und Seele brauchten: Langsamkeit.
Vorsätze: Neustart und Wirklichkeit
Während ich vorsichtig über die Straßen stakste, wurde mir klar, dass der Jahresbeginn auch nur ein Datum ist. Aufgeladen durch Vorsätze und gute Wünsche, begleitet von Feuerwerk und Konfetti. Selbstverständlich bietet sich der 1. Januar 2026 an für einen Neustart. Neues Jahr, neues Glück – und alle sind sich darin einig. Aber das ist dem Leben ziemlich egal. Viren wirken, wie sie wollen.
Dann dachte ich an Weihnachten, an das Wunder im Stall von Bethlehem. Ein Stall, der gut genug war für die Geburt Jesu. Nicht frisch lackiert und ordentlich geputzt, nicht optimiert für das Neue, sondern einfach ein Stall. Er war mehr als genug.
Veränderungen auf sich zukommen lassen
Deswegen überstrahlt der Stern von Bethlehem jedes imposante Neujahrs-Feuerwerk. Denn ich bin ein Stall. Das klingt lustig, zumal Sie mir jetzt einen Holzkopf unterstellen können. Dabei möchte ich lieber drei Mal auf Holz klopfen. Denn der Gedanke tut mir gut, er ist die beste Medizin.
Ich bin ein Stall, das heißt: Die Veränderung kommt, jederzeit, egal, wie erkältet ich bin. Ich muss keine Neujahresvorsätze durchziehen. Es reicht, die, zu sein, die ich bin. Dann zeigt sich Gott auf vereisten Gehwegen und sagt: „Mach langsam, das tut Dir gut.“
