Gute Vorsätze: Veränderung braucht Zeit

Krank ins neue Jahr gestartet, entdeckt die Autorin beim langsamen Spaziergang eine tröstliche Erkenntnis: Veränderung braucht keinen perfekten Neuanfang – manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Gute Vorsätze: Veränderung braucht Zeit
Für die Umsetzung von guten Vorsätzen braucht es Zeit
IMAGO/Christian Ohde
Kaum wachte ich am Neujahrsmorgen auf, musste ich husten. Nicht schon wieder, dachte ich. Ein dritter Infekt innerhalb weniger Wochen. Das neue Jahr begann so, wie sich der Advent angefühlt hatte, nämlich verkorkst. Mit Tee und Taschentüchern, vielen Vorhaben, aber wenig Energie. Frische Luft war das, was meinen Atemwegen guttat. Also ging ich raus, ging spazieren durch die verschneiten Straßen meiner Stadt. Die vereisten Gehwege verlangten von mir das, was Körper und Seele brauchten: Langsamkeit.

Vorsätze: Neustart und Wirklichkeit

Während ich vorsichtig über die Straßen stakste, wurde mir klar, dass der Jahresbeginn auch nur ein Datum ist. Aufgeladen durch Vorsätze und gute Wünsche, begleitet von Feuerwerk und Konfetti. Selbstverständlich bietet sich der 1. Januar 2026 an für einen Neustart. Neues Jahr, neues Glück – und alle sind sich darin einig. Aber das ist dem Leben ziemlich egal. Viren wirken, wie sie wollen. Dann dachte ich an Weihnachten, an das Wunder im Stall von Bethlehem. Ein Stall, der gut genug war für die Geburt Jesu. Nicht frisch lackiert und ordentlich geputzt, nicht optimiert für das Neue, sondern einfach ein Stall. Er war mehr als genug.

Veränderungen auf sich zukommen lassen

Deswegen überstrahlt der Stern von Bethlehem jedes imposante Neujahrs-Feuerwerk. Denn ich bin ein Stall. Das klingt lustig, zumal Sie mir jetzt einen Holzkopf unterstellen können. Dabei möchte ich lieber drei Mal auf Holz klopfen. Denn der Gedanke tut mir gut, er ist die beste Medizin. Ich bin ein Stall, das heißt: Die Veränderung kommt, jederzeit, egal, wie erkältet ich bin. Ich muss keine Neujahresvorsätze durchziehen. Es reicht, die, zu sein, die ich bin. Dann zeigt sich Gott auf vereisten Gehwegen und sagt: „Mach langsam, das tut Dir gut.“
K
Ein Beitrag von:

Karola Kallweit

hat in Hamburg Theologie studiert und im Anschluss ihr Volontariat in der Nachrichtenredaktion von Radio Hamburg absolviert. Arbeitete danach mehrere Jahre als Redakteurin, Reporterin und Präsentatorin in den Nachrichtenredaktionen von Radio Hamburg und Hamburg Zwei. Seit 2017 für den Evangelischen Rundfunkdienst in Schleswig-Holstein tätig und seit 2019 dessen Leiterin für das gesamte Sendegebiet der Nordkirche. Seit März 2022 auch epd-Chefredakteurin und damit zurück im Nachrichtenalltag, seit Juli 2023 auch Chefredakteurin der Zeitungen.

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