Die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer erhält in diesem Jahr den Kaiserring der Stadt Goslar. Die aus Ostdeutschland stammende Preisträgerin gelte seit den frühen 1980er Jahren als eine der namhaftesten und wichtigsten Künstlerinnen, sagte Goslars Oberbürgermeisterin Ute Schwerdtner (SPD) am Freitag beim Neujahrsempfang der Stadt. Der Goslarer Kaiserring ist ein in Gold gefasster Aquamarin, in den das Siegel Kaiser Heinrichs IV. eingraviert ist. Er gilt als einer der weltweit renommiertesten Preise für moderne Kunst und wird seit 1975 jährlich verliehen.
Als Künstlerin wirkt Stötzer auf den Gebieten Fotografie, Super-8-Film, Grafik und Weberei. Der Preisjury zufolge erforscht sie in ihrem Werk Rollenzuschreibungen und untersucht kritisch Machtverhältnisse – insbesondere jene, die in der DDR vorherrschten. Die Preisträgerin stehe nicht nur für ein experimentelles, hochqualitatives Arbeiten, sondern habe wegweisend im Bereich der Vernetzung und Kollaboration agiert.
Stötzer (Jahrgang 1953) studierte in Erfurt Germanistik und Kunsterziehung. Wegen einer Petition gegen die Entlassung eines kritischen Kommilitonen wurde sie von der Hochschule relegiert und zur „Bewährung“ in die Produktion geschickt. Im November 1976 beteiligte sie sich mit ihrer Unterschrift am Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Vor Überbringung der Unterschriftenliste wurde sie festgenommen. Nach fünf Monaten Untersuchungshaft folgte im Frühjahr 1977 ihre Verurteilung zu einem Jahr Haft wegen „Staatsverleumdung“.
1980 übernahm Stötzer die Leitung einer privaten Kunstgalerie in Erfurt und stellte dort Werke aus der alternativen Szene erst Thüringens und dann der ganzen DDR aus. 1984 war sie Mitgründerin der Künstlerinnengruppe Erfurt, die auch unter den stark eingeschränkten Möglichkeiten der DDR Modeobjektshows und Performances und ab 1986 Super-8-Filme organisierte.
Kaiserring-Träger waren unter anderem Henry Moore, Max Ernst, Joseph Beuys, Gerhard
Richter, Christo, Andreas Gursky, David Lynch, Olafur Eliasson und Barbara Kruger. Vor Gabriele Stötzer erhielten in den vergangenen drei Jahren Vadim Zakharov und Yuri Albert, Miriam Cahn und zuletzt Katharina Fritsch den Preis