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Gedenkstätte Sandbostel mit gleichbleibend hohen Besucherzahlen

80 Jahre nach der Befreiung des früheren Lagers hat die Gedenkstätte Sandbostel im vergangenen Jahr erneut gleichbleibend hohe Besucherzahlen gezählt. 2025 seien mit rund 11.500 bis 12.000 Interessierten in etwa so viele Menschen in die Gedenkstätte bei Rotenburg/Wümme gekommen, wie in den Vorjahren, sagte deren Leiter Andreas Ehresmann auf epd-Anfrage.

Im NS-Lager Sandbostel waren mehr als 300.000 Kriegsgefangene aus über 55 Nationen interniert, darunter mehr als 70.000 Soldaten der Roten Armee. Tausende Gefangene starben im Lager und seinen Arbeitskommandos an Entkräftung, Hunger und Mangelerkrankungen. Die genaue Zahl ist Ehresmann zufolge bis heute nicht bekannt. Am 29. April 1945 befreite die britische Armee etwa 14.000 Kriegsgefangene und 7.000 KZ-Häftlinge aus dem Lager. Daran war 2025 mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert worden.

Ehresmann berichtete zugleich von einzelnen rechtsextremen Vorfällen an der Gedenkstätte im vergangenen Jahr. So seien in einem selten genutzten Seminarraum ein Hakenkreuz und weitere szenetypische Zeichen wie das SS-Symbol in einen Tisch geritzt worden. Nach der Absage einer Sonderausstellung zur Leningrad-Blockade im Oktober habe es neben angemessener Kritik auch eine E-Mail voller Beschimpfungen, Beleidigungen und holocaustrelativierender Äußerungen gegeben. Diese habe er an den Staatsschutz weitergegeben, der unter anderem wegen Holocaustleugnung ermittle.

Der Gedenkstättenleiter sieht bei einem weiteren Vorfall ebenfalls einen rechtsextremistischen Hintergrund. In der Nähe des Eingangs zur Gedenkstätte habe zwei Wochen lang ein Fahrzeug geparkt. Dessen Heck habe einen in eine schwarz-rot-goldene Decke gehüllten schlafenden Adler gezeigt. Zudem sei ein Junge abgebildet gewesen, der den Adler aufwecken wollte. Er sehe darin kaum verklausuliert die strafbare SA-Parole „Deutschland erwache“, erläuterte Ehresmann.