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Früherer EZB-Chef Mario Draghi erhält Aachener Karlspreis 2026

Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi erhält den diesjährigen Internationalen Karlspreis zu Aachen. Mit der Auszeichnung an den Wirtschaftswissenschaftler werde darauf verwiesen, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu einer entscheidenden Frage für den Bestand der EU geworden sei, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet, am Samstag in Aachen. Mit Blick auf die aktuelle politische Situation in Europa müsse man feststellen: „Die Lage ist dramatisch. Angesichts der sich überlagernden geopolitischen Krisen darf Europa nicht zum Spielball externer Mächte werden.“ Das spüre man derzeit „an all den Konflikten in der Welt“.

Draghi habe in seiner Rolle als EZB-Chef mit der Ankündigung „Whatever it takes“ (Was auch immer nötig ist) im Jahr 2012 in einer „dramatischen Situation den Euro gerettet“, erklärte Laschet. Damit habe er den europäischen Binnenmarkt und die Währungsunion vor dem Scheitern bewahrt. Zudem habe der Italiener mit dem Draghi-Report von 2024 wichtige Vorschläge zur wirtschaftlichen Erneuerung Europas vorgelegt, so der ehemalige CDU-Parteichef.

Man verstehe die Auszeichnung mit dem Karlspreis deshalb auch als „Appell“ an die europäische Kommission und die europäischen Regierungschefs, die Vorschläge Draghis umzusetzen und sich „auf das Wesentliche“ zu konzentrieren, betonte Laschet. „’Whatever it takes’ gilt jetzt für Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit Europas. Setzt das um, was Mario Draghi in seinem Bericht gefordert hat.“

Laschet, der im vergangenen Dezember den Vorsitz im Karlspreisdirektorium übernommen hatte und den neuen Preisträger mit dem Aachener Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) vorstellte, erinnerte zudem daran, dass schon mehrfach Italiener unter den Trägern des Karlspreises gewesen seien. Der Erste in dieser Reihe sei der damalige italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi gewesen, „einer der Gründungsväter Europas“. Zudem sei Italien „eines der Gründungsländer der EU“.

In einer Videobotschaft dankte der 78-jährige Mario Draghi dem Karlspreisdirektorium für die Auszeichnung. Man lebe in einer Zeit, in der Europa „viele Feinde hat – möglicherweise niemals so viele wie jetzt“, sagte er auf Englisch. Nun gehe es darum, die Europäische Union zu erhalten. Dazu müsse Europa aber auch enger zusammenstehen und seine „selbst verschuldeten Schwächen“ überwinden. Die Staaten müssten sowohl politisch als auch wirtschaftlich und militärisch stärker werden. Nur dann könnten die europäischen Werte erhalten bleiben und „als Vermächtnis“ künftigen Generationen übergeben werden.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gratulierte dem Preisträger. „Mit Mario Draghi ehrt das Karlspreisdirektorium einen herausragenden Europäer und überzeugten Weltbürger. Seine legendäre Londoner Rede im Sommer 2012 trug maßgeblich zur Stabilisierung der Finanzmärkte und zur Rettung des Euros bei.“ Sein Draghi-Report zur Zukunft der Europäischen Union sei überdies „Auftrag und Mahnung zugleich“. In diesem Sinne stehe der frühere EZB-Chef „auch für Innovationen in Europa und die Transformation unserer Industrie“.

Der mit einer Million Euro dotierte Aachener Karlspreis zu Aachen gilt als älteste und wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Völkerverständigung und Zusammenarbeit in Europa. Er wird in diesem Jahr am 14. Mai verliehen. Die Auszeichnung ist nach Karl dem Großen (747/748-814) benannt, der schon zu Lebzeiten als „Vater Europas“ bezeichnet wurde. Verliehen wird der Preis seit 1950, über die Preisträger entscheidet ein Gremium von Aachener Bürgern.