Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI) hat nach Worten einer Expertin für maschinelles Lernen großes Potenzial in der psychologischen Versorgung. Ihr Eindruck sei, dass Patientinnen und Patienten dafür offener seien als oft angenommen, sagte Kerstin Ritter bei einer Vortragsreihe der Medical School Hamburg. Dennoch seien diagnostische Verfahren in anderen medizinischen Fachrichtungen schon weiter fortgeschritten, etwa in der Krebsforschung oder der Dermatologie, vor allem durch bildgebende Verfahren.
Was Menschen hilfreich fänden, das nutzten sie auch, betonte Ritter. Dies zeige sich darin, dass viele Menschen etwa ChatGPT bei Beziehungsfragen zurate zögen – auch wenn dieser Chatbot dafür nicht eigens programmiert worden sei.
KI-Anwendungen brauchen Vertrauen und solidarische Strukturen
Eine Herausforderung seien derzeit noch die verhältnismäßig kleinen Datenmengen, mit denen KI-Anwendungen in der Medizin trainiert würden, erklärte die Forscherin. Sprachdaten aus Therapien wollten die meisten nicht oder nur in geringem Umfang zur Verfügung stellen – sowohl Patienten als auch Behandelnde. Sie rechne jedoch damit, dass sogenannte multimodale KI-Modelle – die etwa Sprache, Sensorik und Bildgebung verbinden – in einigen Jahren in Kliniken zum Einsatz kommen könnten. Grundlegendes Ziel müsse sein, KI-Anwendungen in ein “ethisch kontrolliertes, solidarisches Gesundheitssystem” einzubetten.
