Ein Jahrhundertroman feiert Geburtstag – und bleibt erstaunlich aktuell: Zum Jubiläum will das Buddenbrookhaus genau das deutlich machen. Die Ausstellungsmacher laden zum Mitmachen ein.
Zum 125. Erscheinungstag des Romans “Buddenbrooks” von Thomas Mann sucht das Buddenbrookhaus in Lübeck aktuelle Familiengeschichten. Geplant sei eine “sehr moderne Ausstellung”, sagte Kuratorin Caren Heuer im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ziel sei nicht, den Roman in einer Art Kulisse des 19. Jahrhunderts nachzuerzählen, sondern ihn in die heutige Zeit zu übersetzen.
Dabei würden wichtige Motive wie die blassen Hände oder schlechten Zähne der Buddenbrooks durchaus vorkommen. Doch vor allem könnten sich Besucherinnen und Besucher mit Impulsen auseinandersetzen, etwa ihrem eigenen Erbe: “Segen oder Fluch?” Bis heute stelle sich die Frage, die im 1901 erschienenen Werk zentral sei, nämlich, was Familien zusammenhalte, erklärte Heuer. “Sind diese Bänder eher Fessel oder Rettungsleine? Vermutlich lautet die Antwort: beides.”
Noch bis zum 14. Februar können Interessierte ihre Beiträge – ein Foto und einen kurzen Text – einreichen, um möglicherweise Teil der Ausstellung “Family Affairs” zu werden. Die Vernissage ist am 30. Oktober geplant. Am 26. Februar jährt sich die Veröffentlichung der “Buddenbrooks” zum 125. Mal.
Sie sehe viele Ähnlichkeiten zwischen der Familie, deren wirtschaftlich-sozialer Niedergang im Roman erzählt wird, und heutigen Familien. “Nicht jeder hat eine Getreidefirma, ein Großunternehmen, das unterzugehen droht”, sagte Heuer. Doch auch heute stünden Firmen unter massivem Druck. Ebenso würden gewählte Ehepartnerinnen und -partner immer noch zu “riesigen Problemen” in nicht wenigen Familien. “Das wollen wir zeigen: Nicht die Buddenbrooks haben das im 19. Jahrhundert erlebt, und wir schauen zurück. Bei weitem nicht: Wir sind einander sehr ähnlich.”
Dies solle einerseits Lust machen, das Buch zu lesen – vielleicht unter einer neuen Perspektive. Andererseits gehe es um den Austausch: In der Regel kämen Menschen gemeinsam mit anderen in Museen. Heuer: “Wir hoffen, den Dialog innerhalb von Familien neu anstoßen zu können.”