Worte mit Wirkung: Alte Briefe erinnern im Europaparlament an Schuld, Vergebung und Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg – Themen von dauerhafter Aktualität, wie eine Ausstellung zeigt.
An den historischen Briefwechsel zwischen deutschen und polnischen Bischöfen vor 60 Jahren erinnert eine Ausstellung im Europaparlament. Die Briefe, von denen in dieser Woche in Straßburg Kopien gezeigt werden, gelten als Meilensteine der Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola eröffnete die Schau am Mittwoch gemeinsam mit Parlamentariern und Gästen, auch aus Kirchenkreisen.
“Der Blick in die Geschichte macht deutlich, dass Versöhnung Mut, Ausdauer und konkrete Schritte braucht”, sagte die Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles. “Gerade in einer Zeit neuer Spannungen in Europa erinnert diese Ausstellung daran, dass Verständigung möglich ist – und immer wieder neu errungen werden muss.” Der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, betonte in seiner vorab verbreiteten Ansprache den Mut der polnischen Bischöfe vor 60 Jahren, die Hand zur Versöhnung auszustrecken.
Die Wanderausstellung “Versöhnung in Europa” war bereits an verschiedenen Orten in Polen und Deutschland zu sehen. Initiiert wurde die Schau im Europaparlament vom deutschen CDU-Abgeordneten Oliver Schenk sowie dem polnischen Christdemokraten Andrzej Halicki.
Am 18. November 1965 schrieben die polnischen Bischöfe in deutscher Sprache an ihre deutschen Amtskollegen “Wir vergeben und bitten um Vergebung” und luden sie nach Polen ein. Die deutschen Bischöfe baten in ihrer Antwort ihrerseits um Vergebung und schrieben: “Furchtbares ist von Deutschen und im Namen des deutschen Volkes dem polnischen Volk angetan worden.”