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“Civil War” – Kluger Zukunfts-Film über die Gegenwart als TV-Premiere

In den von einem Bürgerkrieg zerrissenen USA versucht eine kleine Gruppe Journalisten aus New York, für ein Interview mit dem autoritären Präsidenten nach Washington zu reisen. Ein Zukunftsszenario mit Gegenwartsbezug.

In Zusammenarbeit mit filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission gibt die KNA Tipps zu besonderen TV-Filmen:

Eine kleine Gruppe Journalisten reist im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters durch die von einem Bürgerkrieg erschütterten USA, um den autoritären Präsidenten (Nick Offerman) im Weißen Haus zu interviewen. Texas und Kalifornien führen die sogenannten “Western Forces” an, die das antidemokratische Staatsoberhaupt aus dem Oval Office bomben wollen.

Während die Reise in das Herz des demokratischen Zerfalls führt, folgt der Film der Kriegsfotografin Lee (Kirsten Dunst) und dem Reporter Joel (Wagner Moura). Beide konzentrieren sich professionell darauf, das Grauen sichtbar machen und möglichst nahe an den Tod heranrücken.

Gemeinsam mit der jungen Nachwuchsfotografin Jesse (Cailee Spaeny) und dem altgedienten “New York Times”-Reporter Sammy (Stephen McKinley Henderson) begeben sie sich auf die über 500 Meilen lange Reise. Die Fronten aber verlaufen in diesem Krieg besonders unscharf.

Die komplexe, mitunter auch verstörende Dystopie von Alex Garland von 2024 setzt sich kritisch mit dem Zusammenhang zwischen Krieg und Berichterstattung und dem US-amerikanischen Imperialismus auseinander. Dabei beschwört der Film unterschiedliche Atmosphären hinauf, mit denen er einer Ästhetisierung oder gar Glorifizierung der Kämpfe entgegenwirkt.

“Civil War” ist, anders als viele vermuten könnten, weit davon entfernt, ein plumper dystopischer Actionthriller zu sein. Auch lässt sich das Szenario nicht als Kommentar zu Donald Trump und dessen autoritärer Politik lesen. Wie in all seinen Filmen geht es Alex Garland um strukturelle und philosophische Fragen – diesmal vor allem um Bilderpolitiken und das journalistische Geschäft mit dem Krieg. Dabei ist ihm ein ganz großer, selbstbewusster und kluger “Zukunfts-Film” über unsere Gegenwart gelungen.