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Autorin: Zeugnisse von Holocaust-Überlebenden bleiben wichtig

Die niederländische Autorin Saskia Goldschmidt hat dazu aufgerufen, die Zeugnisse von Überlebenden des Holocaust wachzuhalten. „Man kann abstrakt vom Horror der Verfolgung, von Antisemitismus und Rassismus berichten“, sagte die Tochter eines Überlebenden des KZ-Bergen-Belsen anlässlich des Holocaust-Gedenktages am Dienstagabend in Hannover. Doch erst persönliche Geschichten weckten Empathie und machten klar, wie falsch es sei, jemanden zum Feind zu erklären, nur weil er vermeintlich einer bestimmten Gruppe angehöre.

„Darum ist es so wichtig, dass diese Geschichten erzählt werden, immer wieder“, betonte Goldschmidt bei einer Präsentation der Neuauflage des Tagebuchs der Bergen-Belsen-Überlebenden Renata Laqueur, der ersten Frau ihres Vaters Paul Goldschmidt. „Dafür müssen immer wieder neue Wege gefunden werden.“ Die Schriftstellerin ist Herausgeberin des vor kurzem im Göttinger Wallstein-Verlag erschienenen Tagebuchs, das Laqueur zwischen März 1944 und April 1945 geschrieben hat.

Die Aufzeichnungen der später in die USA emigrierten Jüdin (1919-2011) waren 1965 erstmals in den Niederlanden sowie 1983 auf Deutsch erschienen. Sie gelten als wichtiges Zeitdokument, das unmittelbar das Leiden von Millionen Menschen in den Konzentrationslagern widerspiegelt. Goldschmidt präsentierte das Buch gemeinsam mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen in der Leibniz-Bibliothek in Hannover. Es gehört zu mindestens 25 Tagebüchern, die Häftlinge heimlich in dem Lager verfasst haben, wie der Historiker Bernd Horstmann von der Gedenkstätte erläuterte. Noch neun von ihnen seien in der Sammlung und der Ausstellung der Gedenkstätte erhalten.

Saskia Goldschmidt berichtete auch davon, welche Bedeutung das Tagebuch für ihr eigenes Leben hatte, noch bevor sie Renata Laqueur kennenlernte. „Fragen über das Lager zu stellen, fühlte sich für uns unbehaglich und impertinent an“, schreibt sie im Vorwort des Buches. „Also taten wir es nicht.“ Dennoch sei das Thema immer präsent gewesen. Ihr Vater habe dann stets auf das Tagebuch verwiesen. „Es war für mich ein Weg, ihm nahezukommen.“

Die 71-jährige Autorin hat sich auch in ihrer eigenen Literatur mit den Traumata der Überlebenden und den Folgen für nachfolgende Generationen auseinandergesetzt. „Es ist auch ein Teil meiner Herkunft“, sagte sie. Für Renata Laqueur sei das Schreiben des Tagebuchs Selbstbehauptung und Widerstand gewesen. Und sie habe bereits den Gedanken gehabt, Zeugnis abzulegen und damit die Schrecken des Lagers im Bewusstsein zu halten.