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Armutsbetroffene wünschen sich Informationen über Hilfsangebote

Das Forschungsprojekt der Universität Kassel „Armut in Kassel. Die Sicht armutsbetroffener Menschen“ beschäftigt sich mit der Perspektive von armen Personen auf ihre Situation. Diese sei bei anderen Projekten bislang nicht gesehen worden, sagte Projektleiterin Sonja Fehr, Soziologin und Armutsforscherin an der Uni Kassel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein wesentlicher Baustein des Projekts sei der Workshop „Meine Ideen gegen Armut“, bei dem 25 Betroffene ihre Erfahrungen und Vorschläge eingebracht haben.

Ein häufig genannter Kritikpunkt waren unklare Zuständigkeiten. Viele Menschen wissen nicht, ob Beschäftigte im Rathaus, im Jobcenter, in der Agentur für Arbeit oder andere Stellen für ihre Anliegen zuständig sind. Sie wünschen sich verständliche Übersichten und leicht auffindbare Infopunkte, wo ihnen erklärt wird, wer bei welchem Problem hilft, sowie Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen.

Wichtig ist den Betroffenen auch, wie in den Behörden mit ihnen umgegangen wird. Sie wünschen sich mehr Wertschätzung. Schulungen für Mitarbeitende und Rückmeldungen zur Servicequalität könnten helfen.

Auch der Wunsch nach niedrigschwelligem Zugang zu Leistungen wurde geäußert. Dazu bedürfe es mehr Personal, zusätzliche Beratungsräume, mehr mobile Angebote und feste Zeiten ohne Termin. Auch Schalter für einfache Anliegen könnten Wartezeiten reduzieren.

Große Sorgen bereitet vielen das Thema Wohnen und Sicherheit, besonders betroffen sind Frauen in schwierigen Lebenslagen. Mehr geschützte Unterkünfte und Übergangswohnungen könnten helfen.

Für Kinder und Jugendliche forderten die Teilnehmenden kostenfreie Angebote, etwa Lernhilfen, Schulmaterialien, Sport- und Freizeitmöglichkeiten.

Zudem gibt es Bedarf an sauberen, kostenlosen Toiletten im öffentlichen Raum, gepflegten Haltestellen und sicheren öffentlichen Orten. Weitere Forderungen sind, dass solidarische Stadtgemeinschaften unterstützt werden, die soziale Teilhabe stärken, und dass die Stadt Spenden und Verteilstrukturen koordiniert.